Basel: Männer ins Museum!
Vergessen Sie den Kampf der Geschlechter. Hat ja lange gedauert, hat Kraft genug gekostet. Erst diese ganze Body-Aufrüstung im Kraftraum, am Schminktisch. Dann der Cyberwar auf Tinder, die Real-Life-Rückschläge. Dazu diese missverständlichen Verbalscharmützel beim ersten Rendez-vous, das Risiko des technischen Versagens an der Bettkante, allfälliges Tappen in die Beziehungsfalle und urplötzlich die Meldung: Mission failed, Schwangerschaftstest positiv. Schon droht Familie, und das bedeutet: offener Ehekrieg. So war das früher, also heute.
Doch jetzt überbringt Sibylle Berg dem Theaterpublikum gute Nachrichten aus der Zukunft. Das Zweigeschlechterzeitalter gilt als überwunden, es war halt doch kein evolutionärer Endzustand. Kinder, also Töchter, kommen aus dem Kühlschrank. Für weibliche Instant-Orgasmen gibt es einen dienstbaren Avatar, der lässt sich nebenher konsumieren, etwa so wie schöne Musik. Lysistrata und ihre Mitstreiterinnen, die einst bei Aristophanes der Kriegssucht der Athener und Spartaner mit einer Sexblockade ein Ende setzten, wären stolz auf diese Lösung.
Vom Mann sind in Sibylle Bergs Sci-Fi-Lustspiel «In den Gärten oder Lysistrata 2» nurmehr Museumsstücke übrig, ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Stephan Reuter
Ein Geist geht um auf Rosmersholm. Das ist nicht allzu bemerkenswert, ist doch die in den Alltag drängende Vergangenheit die Grundidee von Henrik Ibsens «Rosmersholm»: Hausherrin Beate belastet nach ihrem Suizid das sorgenfreie Weiterleben ihres Witwers Johannes (und nicht zuletzt seine Romanze mit ihrer ehemaligen Pflegerin Rebekka). Aber in Armin Petras’...
Keinen Moment zweifelt Ophelia daran, dass Hamlet sie noch liebt. Das Beste für sie will, auch wenn er es nicht sagen kann. In jener üblen Szene, in der er die junge Frau demütigt, beleidigt, ins Kloster schicken will, hebt sie ihn einfach hoch. Die schmale Gina Haller mit fast kahl rasiertem Kopf, Herrenjackett über dem weißen Kleid, nimmt ihn und stellt ihn...
Keine untergehende Berufsgruppe, Partei oder Gesellschaft, die sich nicht wunderbar in der Eigentümerin des «Kirschgartens» spiegeln ließe! Zwar ist die Ranjewskaja mehr als pleite, aber eben auch reich gesegnet mit der Grundarroganz verarmter Aristokraten. Dass ihr Gut versteigert wird, steht zwar unmittelbar bevor, kann aber dessen ungeachtet eigentlich gar nicht...
