Vier Autoren suchen ein Stück
Es beginnt mit einem Hochgeschwindigkeitsmonolog aus bunt, aber nicht absichtslos zusammengewürfelten Gedankensplittern, aufgelesen wohl bei einem Bummel durchs Münchner Museumsviertel, Namedropping à la Katalog oder was einem kunstinteressierten Auftragsautor beim Spazierengehen durch die fremde Gaststadt eben so ins Auge fällt. Da ist Cy Twomblys grandioser Lepanto-Zyklus (eine leuchtende Farbschlacht in zwölf Bildern, anspielend auf den blutigen Überraschungssieg der Venezianer über die Türken anno 1571 und gemalt wenige Monate vor dem 11.
September 2001) oder Olaf Nicolais «Escalier du Chant», politische Gesänge, eigens komponiert für die große Treppe im Foyer der Pinakothek der Moderne, oder auch mal ein Nachrichtenbild von der Selbstverbrennung eines griechischen Unternehmers in Thessaloniki – alles mehr oder weniger beabsichtigte Kollisionen von Ästhetik und Politik, das Ganze gemixt in die alltäglichen Seinszweifel eines prekär beschäftigten Kreativen.
Was dann folgt, ist dagegen auffallend unverkopft in seiner unverhohlen auf die mediale Sensationsgier fixierten Schnoddrigkeit: Ein international hochkarätig besetztes Autorenquartett, bestehend aus dem Italiener Gian Maria ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: München Residenztheater, Seite 51
von Silvia Stammen
Breitbeinig harrt sie in ihrem Kerker aus. Johanna, das Trotzkind, verbannt in die Strafecke der Geschichte. Ihr Blick durchbohrt die Leere, sie ritzt einen Strich in den Unterarm, eine blutrote Zählung, Tag um Tag. Ihr Schopf: asymmetrisch geschoren. Selbst wenn das ihre Häscher waren, die Frisur passt zu ihr, der jugendlich Unangepassten, der Unbeugsamen, für die...
Zuletzt hatte er viele Jahre lang einen Parkplatz über dem Kopf. Dabei war sein letzter Satz laut Shakespeare «Ein Königreich für ein Pferd». Selbst für Freunde des englischen Humors geht das ein bisschen weit.
Richard III. ist nicht nur der berühmteste Königsschurke des elisabethanischen Theaters, er hatte auch ein reales Vorleben. In Sachen Kriegshandwerk hielt...
Die Nazis wussten, was sie an Gerhart Hauptmann hatten: einen von allen Bevölkerungsschichten als moralische Autorität und Gewissen der Nation geschätzten Dramatiker, der eine Erfolgsgeschichte vom einfachen schlesischen Gastwirtsohn zum Seher und Priester, vom Monumentalbildhauer zum Großschriftsteller und Wiedergänger Goethes vorzuweisen hatte und dem der...
