Freiheit, auch nur ein Wort
Mannsbilder sind ja so hirnverbrannt. Müssen dauernd imponieren. Am meisten sich selbst. Brauchen Feinde, auf dass sie kämpfen, schlachten, sterben können. Es macht also durchaus Sinn, dass Schillers «Räuber!» – denen Regisseur Stephan Rottkamp für seine Freiburger Fassung ein todschickes Ausrufezeichen angedichtet hat – dass diese Räuber eingangs lang und stumm und möglichst actionfilmreif in den Saal starren, als sei der Showdown nahe. Noch seid ihr sauber, Desperados.
Franz Moor ist kein Mannsbild. Nicht in diesem Räuberstück.
Hans-Jochen Wagner gibt den Franz als weinerlichen Rollkragenintriganten. Einer, der beim verkalkten Papa (Jürgen Stößinger als Graf von Moor) das Sofa hütet und sich klaglos ohrfeigen lässt wie ein Achtjähriger. Der sich nichtsdestotrotz darauf versteht, dem Greis Gemütsgift einzuträufeln. «Nicht füttern» kritzelt Franz vor seinen unschuldweißen Wohnverschlag im Souterrain der Bühnenschräge, bevor er sich fürs Publikum auf der Monologcouch offenbart.
Szenenwechsel. Sitzen zwei Studenten beim Besäufnis. Sagt der eine: «Prost Moritz». Entgegnet der andere: »Prost Karl». Symbiotisch kippen sie sich eine hochprozentige Zündkerze nach der anderen in die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Große Themen und lange Zeiträume werden derzeit verhandelt am Royal National Theatre. Dank Intendant Nicholas Hytner, der Mike Leigh, dem «Impresario der Improvisation», sowie den Polit-Theater-Eminenzen Howard Brenton und David Edgar nach zum Teil jahrzehntelanger Bühnenabstinenz neue Stücke entlockte. Und auch am Royal Court stammten die interessanteren Arbeiten...
Da war ein Bub aus Graz, der war anders als die Absolventen der Ernst-Busch-Schule, nicht so technisch versiert, seiner selbst gewiss und mordsmäßig perfekt, erzählt über Christoph Luser ein Schauspieler – Österreicher wie er und mit ihm eine Zeitlang im Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. Ältere Kollegen habe er tatsächlich wahrgenommen und sei ihnen...
Zu den wesentlichen Funktionen des Fernsehens gehört die Versorgung mit Vertrautheit. Ein Fernsehen, das ständig neue Figuren und neue Schauspieler aufbietet, wäre kaum auszuhalten. Anders als im Theater oder Kino ist das eigene Wohnzimmer der Ort, an dem man die Wiederkehr des Immergleichen nicht nur schätzen kann, sondern sie geradezu sucht. Dabei ist es egal, ob...
