Verhärtete Fronten
Wer braucht sie noch, die von rassistischen weißen Männern geschriebenen Klassiker? Wie viel künstlerische Freiheit darf sich andererseits politisch korrekte Kunst erlauben? Die Frage nach der Identität ist in den USA derzeit allgegenwärtig und beherrscht auch die Theaterwelt. Eine von Anbeginn an rassistische Gesellschaft bedarf zweifelsohne der Aufarbeitung ihrer Traumata.
Besonders Black Lives Matter schafft seit 2013 verstärkt ein dringend benötigtes Bewusstsein für den immanenten Rassismus und die ungerechte Verteilung von Privilegien in der US-amerikanischen Gesellschaft – aber stellt sich die Bewegung gelegentlich mit ideologischer Strenge selbst ein Bein?
Besonders in der akademischen Welt zeigten sich in der jüngeren Vergangenheit Muster verhärteter Fronten. Im amerikanischen Theatersystem, das nicht öffentlich gefördert ist, verfügen die Uni-Theaterabteilungen häufig über überdurchschnittlich viel Geld und große Bühnen, um die frischen Talente, die sie ausbilden, schon früh mit ansehnlichen Produktionen auf die Bühne zu bringen. Die Verhältnisse in der akademischen Welt unterscheiden sich selbstverständlich vom US-Theater im Allgemeinen, jedoch werden die entscheidenden ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: International, Seite 44
von Henning Bochert
Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität...
David Bowie ist das große Ziel der Geschichte von Alexander Kühnes Debütroman «Düsterbusch City Lights». 2016 erschienen, ist er so etwas wie das Ex-DDR-Pendant zu Rocko Schamonis «Dorfpunks». Der Roman erzählt das Leben von Anton Kummer, dessen größter Wunsch es ist, im fiktiven Dorf Düsterbusch einen großen Szene-Club zu etablieren, in dem David Bowie auftreten...
Sieht ein bisschen so aus, als würden jetzt gleich «Glückliche Tage» beginnen, und im nächsten Moment müsste Winnie sagen: «Wieder ein himmlischer Tag.» Die Schauspielerin Ulrike Arnold sitzt in der Mitte der Bühne des Nürnberger Schauspielhauses, leicht erhöht und eingehüllt in einen seidenen Vorhang, der sich über die gesamte Fläche ergießt und auf allen Seiten...
