Tarantellas Veitstanz

Schauspiel Köln: Jan Decorte «Ödipus/Bêt Noir» (DE)

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Der Säugling liegt auf dem blanken Boden in der Mitte der Bühne. Er blinzelt in die riesige grelle Industrielampe, die wie ein Damoklesschwert über ihm pendelt, zuckt mit den Armen und schließt die Augen. Kurz zuvor hatte Jokaste ihn hier abgelegt und seinem Schicksal überlassen, das ihn alsbald in Gestalt der kriechenden, rollenden Horde der Ödipus–kindeskinder mit sich zieht. Mehr Widergänger als Hoffnungsträger scheint das Neugeborene zu sein, denn es wurde in einem gespenstischen Geschlechtsakt mit einem langhaarigen alten Mann gezeugt – dem wieder auferstandenen Laios.

Zum dritten Mal hat sich der belgische, auf internationalem Parkett tanzende Regisseur, Choreograf und Schauspieler Wim Vandekeybus mit seiner Tanzkompanie Ultima Vez dem Ödipus-Mythos gewidmet. Nach der Uraufführung in Wien gibt es nun eine Kölner Version, an der neben den Tänzern auch vier Kölner Schauspieler beteiligt sind. Die äußerst knappe, klare Textfassung von Jan Decorte unterbricht und strukturiert die exzessiven Tanzszenen, in denen die Vorgeschichte der Ödipus-Tragödie assoziativ aufleuch­tet: Zerquält-verdrehte Körper dokumentieren Pest und Leichenberge, inzestuöse Übergriffe und eine gewaltvoll ...

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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Natalie Bloch

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