1:0 für Beckett
Nachdem bereits im Vorfeld der WM deutsche Autoren scharenweise durchs bunt zusammengebastelte Fifa-Kulturprogramm geschleust worden waren – zumindest diejenigen, die sich nicht rechtzeitig durch ein kategorisches Nein aus der Schusslinie gebracht hatten –, war mit Überraschungen auf diesem Feld eigentlich nicht mehr zu rechnen.
Umso dankbarer ist man den Veranstaltern der Mülheimer Theatertage, Dichter und Dramatiker nicht ein weiteres Mal zu holprigen Hymnen auf König Fußball verdonnert, sondern umgekehrt die WM-Euphorie zum Anlass für ein Autorentreffen ganz anderer Art genommen zu haben: In Rekordzeit wurde aus allen 32 Teilnehmerländern jeweils ein literarisch qualifizierter Kandidat eingeladen, um nicht so sehr den Stolz seiner Nation, sondern in erster Linie das eigene Werk und gegebenenfalls eine persönliche Sicht auf die Theatersituation in seinem Land zu präsentieren.
Schon beim Eröffnungsdefilee mit Lieblingsmusikstücken offenbarten sich beiläufig die erstaunlichsten Nebenbegabungen: So übersetzt Andreu Carandell Gottschewsky aus Barce-lona nicht nur Ödön von Horváth und Thomas Bernhard ins Katalanische, sondern legt als gelernter Tänzer und Choreograf selbst in ...
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Was hat die Mutter ihrem Sohn zu sagen, der auf seine Hinrichtung wartet? Eine zerbrechliche alte Frau stolpert langsam in Richtung Rampe, in ein wollenes Tuch gewickelt, Mitbringsel für ihren Jungen in der Hand. Zitternd und distanziert trifft sie ihn an. Eigentlich möchte sie ihm von ihrer Trauer erzählen, aber stattdessen entringt sich ihr eine kleinliche...
Bochum, ich häng an dir.» Das geht immer noch tief rein ins Ruhr-Gemüt. Mit dem Grönemeyer-Song punktet jeder an der Königsallee in ehemals «4630 Bochum». Fünf Intendanzen ist es her, dass der Sänger des Liedes, das es da noch nicht gab, am Bochumer Schauspielhaus engagiert war. Drei Jahrzehnte später, an einem Abend im Mai 2006, steht ein anderer...
Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annette Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als geradezu zeitgeistiges psychologisches Familiendrama gelesen, als Saga um Maximilian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in...
