Oldenburg: «Jeder hier möchte nur glücklich sein»
«Vielleicht ist es woanders anders, aber bei uns nicht.» Das ist der zentrale Satz in Dmitri Sokolows «Russian Boy»: Möglicherweise ist eine schwule Coming-of-Age-Geschichte im Westen kein Aufreger mehr (wobei diese These abseits der Metropolen auch noch einmal diskutiert werden sollte), in Russland aber, wo ein Gesetz seit 2013 positive Aussagen über Homosexualität in Anwesenheit von Jugendlichen unter Strafe stellt, ist so etwas ein Politikum.
Sokolows schmales Stück, in dem der junge Artjom zum Schauspielstudium aus der Provinz nach Moskau zieht, in einer Gay-Sauna jobbt, sich verliebt und bald wieder entliebt, konnte bislang in Russland nicht gezeigt werden; die Uraufführung fand weit im Westen statt – am Oldenburger Staatstheater, durch die in der Ukraine geborene Regisseurin und Übersetzerin Elena Finkel.
Finkel hat Sokolows Text genau gelesen, das Theater erfindet sie allerdings nicht neu. Brav wird Artjoms Geschichte als Stationendrama erzählt, meist von einer allegorischen Figur namens «Das Leben», die bei Johannes Schumacher mit Duckface und ausrasierten blonden Locken wirkt wie aus einem schwulen 80er-Jahre-Porno entsprungen (aber womöglich ist auch das eine westliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Falk Schreiber
Auf den Bühnen von Eimuntas Nekrosius war nie viel Licht – und das entsprach auch seiner Sicht der Dinge. Als der damals 37-jährige litauische Regisseur 1989 zum ersten Mal in Berlin gastierte, war kein Funken Glasnost-Begeisterung zu spüren. Gefragt, was er mit der neuen künstlerischen Freiheit anzufangen gedächte, meinte er lapidar: «Es ist wie mit...
Es zeugt von hartnäckigem Sendungsbewusstsein und einem Hauch Heroismus, wenn das seit mittlerweile 30 Jahren von der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) ausgerichtete Festival «Politik im Freien Theater» bei seiner 10. Ausgabe in München unter dem Motto «reich» antritt. Koproduzent Matthias Lilienthal und sein Kurator und Festivalprogramm-Mitjuror...
In einem Interview vor der Premiere seiner Adaption von Geschichten aus Clemens Meyers Erzählungsband «Die stillen Trabanten» in den Kammerspielen des Berliner Deutschen Theaters hat Regisseur Armin Petras gesagt: «Ich hasse diese Wikipedia-Autoren, die sich ihre Stücke zusammenrecherchieren. Bei Clemens weißt du, dass das stimmt. Man merkt es an Details.» Und dann...
