Die Gehirne stürmen
Wenige Tage vor den Parlamentswahlen Ende Oktober wirkt Kiew weder von einem schwelenden Krieg im Osten noch von einem lautstarken Wahlkampf aufgewühlt. Es gibt natürlich Wahlplakate, und im Fernsehen reihen sich die Werbespots der Parteien. Aber dieser Platz, auf den die ganze Welt schaute und der im Grunde Europa verändert hat, ist leer und aufgeräumt.
Auf dem Maidan gibt es eine Ausstellung mit Fotos vom Krieg im Osten und eine Tafel mit den «Himmlischen Hundert», den Opfern der Scharfschützen, für die dann auch am Rand des Platzes einzeln vor jedem Bild Blumen abgelegt werden können. Es scheint, das Andenken an die «Himmlischen Hundert» gebietet Ruhe und Einhalt, Parteiengezänk ist hier erst mal tabu. Die einzige Lautsprecheransage wirbt für einen touristischen Ausflug zum Luxus-Anwesen von Viktor Janukowytsch, den man direkt ab Maidan buchen kann.
Vor einem Jahr, genauer: am 21. November, begann hier, was als Euro-Maidan bereits in die Geschichte eingegangen ist. Der Dauerprotest endete in Gewalt, war aber mit der Absetzung und Quasi-Vertreibung des Präsidenten erfolgreich. Die schwierige Zeit einer Übergangsregierung nutzten offenbar schon gut vorbereitete Separatisten für ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Thomas Irmer
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Ernsthafte aktionistische Gefahr bestand ja nie, wenn Irina Prosorowa zur Feier ihres 20. Geburtstages ihre Lebenspläne kundtat: «Das Haus verkaufen, mit allem hier Schluss machen, und nach Moskau.» Die Antriebsschwäche, mit der die Gelegenheitstelegrafistin und ihre Schwestern Olga und Mascha seit jeher in der Provinz-Immobilie des verstorbenen Vaters hocken...
