Dortmund: Die Theatermacker
«Empört euch!», dieser Appell war 2010 noch positiv besetzt, als Stéphane Hessel, UN-Diplomat und ehemaliger Résistance-Kämpfer, seinen gleichnamigen Essay veröffentlichte. Aus heutiger Sicht ist die Wortwahl ein ziemlicher Fail. Empörung ist in den sozialen Netzwerken zur Standardtonalität geworden. Im Normalfall verpufft sie dort, im schlechtesten führt sie zur digital vernetzten Menschenjagd.
Das Phänomen Empörung erklären Kay Voges und sein Team nun zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Inszenierung von Thomas Bernhards «Theatermacher» – einer dreistündigen Wut-Revue in neun Variationen des immergleichen Stückes.
Entstanden ist ein Abend, der im unmittelbaren Erleben gut funktioniert. In der Erinnerung verschwimmt er unweigerlich zu einem Chor zeternder und zürnender Theatermacherinnen und -macher, mal in SS-Uniform, mal in Neon-Aerobic-Stretch, mal im Ganzkörpergips (Kostüm: Mona Ulrich). So viel dreht sich im Kopf, dass man sich kurz vor der Tiefgarage plötzlich fragt: Lief nach dem Applaus wirklich «Utzbach, Utzbach wie Butzbach» auf die Melodie von Abbas «Waterloo» – oder passiert das nur in meinem Kopf? In beiden Fällen hat das T.D. Finck von Finckenstein zu verantworten. Er ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Cornelia Fiedler
Unser Leben wird in ein Vakuum gesaugt», stellt Idil Baydar auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses fest und lümmelt sich in einem samtroten Plüschthron zurecht. «Das entsteht», analysiert sie sich gedankenscharf durch Elfriede Jelineks jüngsten Text «Am Königsweg», «wenn für uns nichts mehr übrig und alles auf der anderen Seite ist, wo feiste Ärsche die Wippe...
Zweifellos gehört es zu den gelungenen Inszenierungen der Lilienthal-Kammerspiele, den eigenen Abgang zu einer Querelle des Anciens et des Modernes zu stilisieren, mit sich selbst in der Rolle des unverstandenen Erneuerers und der Münchner CSU-Stadtratsfraktion als kleingeistig kläffenden Kultur-Dackeln mit beschränktem Quoten-Horizont. Gewiss muss es von außen...
Pläne der Redaktion
Über die Münchner Kammerspiele und das Programm von Matthias Lilienthal ist in den Feuilletons viel gestritten worden. Was sagen die Schauspieler*innen?
Ein Gespräch mit Katja Bürkle und Wiebke Puls
André Kaczmarczyk hat als Jugendlicher in den 90ern beim «Freien Eisenacher Burgtheater» mitgemacht, dann eine Schauspielausbildung absolviert und...
