Die Welt braucht ein Parlament: Milo Raus «General Assembly» tagt an der Schaubühne; Foto: Daniel Seiffert/Schaubühne Berlin

Die parlamentarische Theateralternative

... die Milo Rau als «General Assembly» an die Schaubühne trägt, laboriert an ähnlichen Problemen wie die Realpolitik

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Theaterkritiker kennen Milo Rau vor allem als produktiven Teilzeit-Kollegen, der ihnen netterweise die Deutungsarbeit abnimmt: Kein anderer Regisseur weit und breit, der die eigenen Projekte im Vorfeld derart großzügig medial ausinterpretiert! So war auch über Raus jüngste Arbeit «General Assembly» in der Berliner Schaubühne – eine Art parlamentarische Graswurzel-Alternative für die weltweiten «Lobbylosen» – vor­ab viel zu lesen.

Weil «auf globaler Ebene weder wirkungsvolle rechtliche Institutionen noch ausreichende demokratische Strukturen» existierten, «die den Weltmarkt hinreichend regulieren, völkerrechtliche Verstöße verfolgen, Menschenrechte durchsetzen oder ökologische Entwicklungen in sinnvolle Bahnen leiten könn­ten», wolle man diese «Leerstelle» – so das Produktionsteam ohne falsche Bescheidenheit – mit dem «Entwurf eines tatsächlichen Weltparlaments» füllen.

So weit, so Rau-typisch. Neu allerdings ist, dass der Regisseur diesmal nicht bei der Vorab-Exegese stehen bleibt, sondern auch die finale Veranstaltungskritik selbst mitliefert – und zwar tatsächlich bemerkenswert unkokett. «Die Veranstaltung schwankte zwischen Größenwahn und staatsbürgerliche Selbstermächtigung», ...

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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Christine Wahl

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