Ein Meter fünfundneunzig und hundertzehn Kilo
Ich hatte fast Angst vor ihm. Vor diesem großen, mächtigen Mann, der als Chuck in Dogville grob und gefühllos die junge Grace vergewaltigt. Konnte den Schauspieler Sebastian Kowski kaum ansehen, als wir nach einer Vorstellung zufällig nebeneinander an der Bar im Foyer standen, geschweige denn
ansprechen. Hielt vorsichtig Abstand, als wir für «Faust 21» probten, ich im Chor, er als Faust. Und staunte. Was für ein charmanter, verführerischer Faust! Besonders in der Szene, wo Faust alias Goethe in weißem Anzug mit weißem Hut die Helena-Szene spielt, vorführt, genießt.
Er war lässig und komisch. Mehr als dreißig Mal schaute der Chor zu. Kowski war jedes Mal anders, mal besser, mal noch besser, nie weniger als gut. Gefährlich ist Sebastian Kowski nur auf der Bühne. Da aber sehr. Weil er sehr groß ist und kompakt. Weil er Kraft, Energie, Intensität hat.
Ist er nicht völlig fertig, nachdem er fünf, sechs Biertische und Bierbänke über eine mannshohe Wand auf die Hinterbühne geworfen hat? «Nein.» Wie schafft er es überhaupt, Bierbänke mit nur einer Hand zu schmeißen? «Mit einer Hand, das kann nicht sein.» Aber ich hatte es gerade gesehen, mindestens drei Bierbänke, nur mit einer Hand, in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Luc Bondy ist nur in seinen Inszenierungen der sensible Menschenkenner; privat kann er nicht einmal grüßen. Er und Frank Castorf schieben sich gegenseitig die Inszenierungen zu. Peter Stein ist total abgedriftet, und Matthias Lilienthal hat mit Christoph Schlingensiefs Freundin geschlafen. Woher wir das alles wissen? Ganz einfach: Christoph Schlingensief ist mit...
Wenn man sich eines Tages fragen wird, wann genau um die Wende zum 21. Jahrhundert die systematische Suche nach einer Neubestimmung des Stadttheaters in Deutschland begonnen hat, wird man neben vielen anregenden Impulsen vor allem zwei sehr unterschiedliche Initiale nennen müssen: Das «Bunnyhill»-Projekt der Münchner Kammerspiele und die Auflage des Heimspiel-Fonds...
Es gibt keinen Theaterautor, mit dem ich einen vergleichbar intensiven, leidenschaftlichen und neugierigen und konstruktiven Dialog über das Theater führen kann wie mit Ulrich Hub. Als wir uns kennenlernten, waren wir beide als Autoren noch am Anfang. Heute werden wir beide in Mülheim als Dramatiker ausgezeichnet. Es freut mich ganz besonders, dass wir beide hier...
