Die Wahrheit der Imagination
Verdammt, sie spricht ja Hindi!» Eine blasse blonde Engländerin beschämt in dem Bollywood-Film «Rang de Basanti – Die Farbe Safran» die jungen Männer von Delhi. Sie interessiert sich mehr für die indische Kolonialgeschichte als die Studenten, die sich über ihr eigenes Land lustig machen und nur davon träumen, in die USA zu gehen.
Sue kommt aus London, aus dem Zentrum des ehemaligen Empire. Sie hat die Tagebücher ihres Großvaters im Gepäck. Er hatte zu Beginn des 20.
Jahrhunderts die britische Kolonialordnung durchzusetzen und erlebte dabei, wie opferbereit und unerschrocken echter Patriotismus sein kann. Sue möchte nun einen Film über diese Zeit drehen, und die Studenten, mit denen sie es zu tun bekommt, sind ihre erste Besetzung für die Hauptrolle der historischen Helden.
Kunstvoll werden so zwei Epochen zueinander in Beziehung gesetzt: Das traditionelle Indien, dem die westliche Moderne aufgezwungen wurde, und das (post)moderne Indien, das seine Traditionen ignoriert. Damit ist auch die Problemstellung des indischen Mainstream-Kinos umrissen, das ständig bestrebt ist, lokale und globale Einflüsse miteinander zu vermitteln und in die Form einer breit angelegten Choreografie zu ...
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