Sofas in Wort und Bild
Ein Sofa ist ein Sofa ist ein Sofa? Einerseits ja. Bis 1990 in der DDR bestimmt. Danach wurde es wie die Kunst an der Wand, die Hose am Bein und das Fingerfood in der Hand zu etwas anderem: einem Distinktionsmerkmal. Einem Verschleierungsinstrument. Das richtige Sofa, die richtige Kunst, die richtige Frau und die richtige falsche Betonung gewisser Wörter wie Dynamo Dresden (auf der ersten statt auf der zweiten Silbe) konnten vergessen lassen, woher einer kam. Etwa aus Berlin-Lichtenberg statt aus Hamburg-Harvestehude.
Bis zum endgültigen Triumph – dass auf die Feststellung, einer stamme aus dem Osten, alle überrascht sagen: Hätt ich nie gedacht.
Solche Dinge konnte man 2002 in Alexander Osangs Ost-West-Medienroman «Die Nachrichten» lernen. Er spielte fünf Jahre nach der Wende, und sein Held Jan Landers brachte einen erheblichen Teil seiner Energie auf für die Anpassungsleistung an die schöne neue (Waren-)Welt, in der er es weit gebracht hatte für einen aus dem Osten: Nachrichtensprecher der «Tagesschau», der einzige im Team aus jenem Teil der Welt, in dem der Tod Erwin Strittmatters etwas bedeutete und man sich über Sofas den Kopf nur zerbrach in Hinsicht auf die Frage, ob man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es lohnt sich, die Geschichte noch einmal ganz schnell und von vorn zu erzählen. Denn sie beginnt mit einem Motto, das sich die Kunst-Biennale in Sao Paulo für die Ausgabe des vorigen Jahres gab: «Terreiro livre», was frei übersetzt in etwa «Niemandsland» bedeutet und diesen Stadt-Raum akkurat beschreibt. Das Goethe-Institut vor Ort, zentral zuständig für das...
An einem bedeckten Sonntagvormittag im Juli auf dem Grazer Hauptplatz. Ein paar Wurstbuden und Cafés haben schon geöffnet, aber das kann nicht der Grund sein, warum sich eine ansehnliche Menschenmenge in Schwarmformation kreuz und quer über den Platz bewegt. Schaut man genauer hin, entdeckt man einen schmächtigen Mann mit Brille, Baskenmütze und blauem...
Ekkehard Schall, der fünfundsiebzigjährig in Buckow bei Berlin starb, hat während der gut 40 Jahre (1952–1995), die er am Berliner Ensemble verbrachte, viele große Brecht-Rollen gespielt: den tollkopfigen Sohn Eilif der Mutter Courage (auch im Film von 1958), den Gangster Ui, der aus der brütenden Verklemmtheit durch fanatisierende Autosuggestion sich ins...
