Achterbahnfahrt der Obsessionen
Der Hausherr sitzt hoch oben im Bühnenhimmel und späht in sein Theater. Aischylos’ «Orestie» beginnt mit der Mauerschau eines Wächters: Auf dem flachen Dach des Atreushauses wartet er auf ein Feuerzeichen aus Troja – ist der Krieg gewonnen, kommt Agamemnon zurück? In seiner Inszenierung am Pariser Théâtre de l’Odéon, das er seit dieser Saison leitet, spielt Olivier Py diesen Wächter selbst. Hoch oben im Bühnenportal lässt er die Beine baumeln und späht ins Publikum, wer alles kommt.
Schillernd und geistreich: der neue Hausherr
Die Pariser kommen.
Das versteht sich nicht unbedingt von selbst. Py ist ein kontroverser Künstler, und das Odéon ist kein Theater wie alle anderen. Seit dem tollen Tag der Uraufführung von Beaumarchais’ «Mariage de Figaro» gilt es als Hort der Unruhestiftung, worauf sich spätere Direktoren gern beriefen. So Jean-Louis Barrault in den sechziger Jahren: Er machte das Theater, nachdem es längere Zeit der Comédie Française angegliedert war, zum Forum für neue Autoren und neue Texte. Eine heftige Debatte brachte die Uraufführung von Jean Genets «Paravents» 1966 unter Roger Blin. Sie setzte sich fort in den folgenden Jahren, als das Odéon zum Epizentrum der ...
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