Gut parallel ist nie daneben

Heiner Goebbels’ Mix aus Dingen, Tönen, Menschen – «Eraritjaritjaka»

Theater heute - Logo

Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissene Sätze. Diese Sätze haben eine seltsame Eigenschaft: Sie sind immer wahr. Kein Kontext prüft sie mehr. Gezielt nach dem Bild des Zitats geschriebene Sätze nennt man Aphorismen. Ihr provokanter Scheintiefsinn schreit nach prüfender Vervollständigung, nach Kontext, nach Inszenierung. Doch relativ selten sind Motti und Aphorismen verfilmt oder auf die Bühne gebracht worden, und wenn, dann von eher essayistisch gestimmten Filmemachern wie Eric Rohmer mit seinem Sprichwörterzyklus.

Dieses Genre des «abgeklärten chinoiden Teekannenspruchs» (Handke) kann einem aus vielen guten Gründen auf die Nerven gehen. Aber an dem Abend, von dem hier die Rede sein wird, erlebte man eindrücklich, wie das eigenartige Nichtverhältnis zugespitzter Aphorismen zur Welt und ihrem Widerstand nicht so weit weg ist von der zwanglosen Genauigkeit einer Musik, die einem zunächst ganz zufällig im Ohr bleibt und sich plötzlich mit einem erst halb gedachten Gedanken zur Vollständigkeit verbindet.

Solche goldenen Sätze nämlich, insbesondere so sie aus Tagebüchern, Arbeitsjournalen und autobiographischen Notizen stammen, interessieren schon eine Weile den Komponisten und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Musiktheater, Seite 18
von Diedrich Diederichsen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schöner wohnen, schneller schießen

Langeweile, das klingt so harmlos. Das klingt nach schlaffem Händedruck, nach Erwachsenen, die episch Filme nacherzählen, die gerade im Kino laufen, oder Nieselregen im Theater. 

Dabei ist Langeweile heimtückisch. Als gut getarnte Mischung aus Sehnsucht und Aggression schlägt Langeweile Ausländer tot, verschleudert endlos Ressourcen und wählt die falschen...

Ein Mann der Möglichkeiten

Zu anderen (Theater-) Zeiten wäre er, blond und blass, hellstimmig und von kräftiger Statur, jünglingshaft noch als Fünfziger, der ideale «jugendliche Held» gewesen, Moraltrompeter und Mädchenschwarm. Mustert man die knapp fünf Jahrzehnte seines Schauspielerlebens durch – der 1932 in Hamburg geborene Beamtensohn sprang 1956 aus dem Literaturstudium und vom...

Pingpong der Peinlichkeiten

Ein Stück über Handys und den ganzen Quatsch, den man für sie produzieren kann, das muss ja aus Finnland kommen. Schließlich hat dort Nokia quasi im Alleingang für einen Wirtschaftsboom gesorgt, und die Omnipräsenz der «mobiles» sorgte schon bei der Expo in Hannover dafür, dass man im finnischen Pavillon von einem Chor fiepsender Handys begrüßt wurde. Der «Mobile...