Der Hype und seine Möglichkeiten
Es gibt im Leben mitunter merkwürdige Zeitschleifen. Zum Abschluss des ersten (und bisher einzigen) Kongresses der Theaterautoren 1991 in Essen wurde seinerzeit ein Forderungskatalog veröffentlicht, der neben einer Klassikerabgabe zugunsten zeitgenössischer Autoren auch die seltenen «Nachspiele» einmal uraufgeführter Werke beklagte sowie die Nischenexistenz der Neuen Dramatik in den Studiobühnen.
Wenn man nun gut fünfzehn Jahre später die «Ersatztheater»-Schelte des Henschel-Lektors Frank Kroll liest, könnte man meinen, nichts hätte sich seitdem in Sachen Autorenförderung getan, außer dass die «Theaterkaufleute» unter dem Vorwand des «Kostendrucks» den Dramatikern inzwischen auch noch den letzten Cent Tantieme vorenthalten. Natürlich hätte niemand etwas gegen eine Verbesserung der Einnahmesituation der Autoren. Nur leider zeichnet Kroll ein völlig verzerrtes Bild der tatsächlichen Lage und wischt mal eben handstreichartig die Arbeit von vielen, durchaus auch mühsamen Jahren der Dramatikerförderung vom Tisch.
Mühe und Sorgfalt statt Ausverkauf
Aus seiner Sicht handelt es sich bei den Theatern samt und sonders um uraufführungswütige, textdeflorationsgeile ...
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Vierte Vorstellung. In der Gaußstraße tummeln sich zwei Hundertschaften blondschwänziger Sechzehnjähriger mit reichlich Kajal ums Auge und hiphopbehosten Mitschülern an der Seite und kichern verzückt, wenn Romeo das Hemd fallen lässt und den wohlgeformten Oberkörper zur Besichtigung freigibt. Schon im Foyer wird ordentlich auf die Pauke gehauen. Wir sind geladen...
Ich muss Frank Kroll Recht geben – mit einer Ausnahme: der waghalsigen «These», Autoren subventionierten Theater. Ein Stückauftrag wird üblicherweise mit ca. 7.500 Euro plus Tantiemen bei garantierter Vorstellungszahl entlohnt; ich überlasse jedem nachzurechnen, wie lange sie oder er bei welcher Wochenstundenzahl dafür arbeiten muss.
Ansonsten hat er Recht: Die...
Wellmade Plays hat die 24-jährige Gerhild Steinbuch aus Mödling bei Wien nie geschrieben; knackige Dialoge oder spannende Situationen sind nicht ihr Ding. Ihre Figuren sind so fragil gezeichnet, dass sie kaum zu fassen sind; ihre Sprache ist so verknappt, dass man den Subtext schon sehr genau mitlesen muss. Das macht einerseits die Faszination aus, die von diesen...
