Flüchtige Ahnung
Was für eine Stadt! Gegen 23 Uhr arbeitet sich die Berichterstatterin einsam, Pfeifen hilft, am Parkrand entlang zum nicht minder leeren Boulevard, der eine Art Zentrum markiert. Beate Uhse und Rossmann flimmern verlassen vor sich hin, letzte Kunden drängeln am Tresen von McDonald’s. Vom stillen Hotel aus der Blick auf den stillen Opernplatz – kein Mensch, kein niemand, keine Maus. «Es ist mir entfallen, warum wir uns hier treffen», grübelt Giacinta, eine der Damen im hier gar nicht so wilden Sommer. Ja, warum?
Es muss einen Grund gegeben haben für die Wahl gerade dieses Stückes.
Vielleicht, dass das Theater drohender Depression im nasskalten November mit der Beschwörung südländisch wärmender Ferienlust widerstehen wollte. Denkbar auch, dass Katja Paryla in dieser Ansammlung sprunghaft verknappter Dialogfetzen die Herausforderung aufspürte, ein noch heterogenes Ensemble in der schweren Kunst des Zusammenspiels zu trainieren. Was das angeht, ist einiges gelungen. Überstrahlt von anmutig wechselndem Licht ist ein Trupp von meist fünfundzwanzig Schauspielern rhythmisch schön gleichgestimmt in Aktion, wabert von Stübchen zu Stübchen, quillt über die geschwungene Wendeltreppe, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frage: Man findet nach einem Flugzeugabsturz fünf Leichen mit Silikonimplantaten, was ist das? Antwort: eine Girlgroup.» Nun ist dies keine Anekdote aus der amerikanischen Bestattungsunternehmer-Serie «Six Feet Under», sondern ein ganz normaler Schweizer Bestattungsunternehmer-Witz und hat eigentlich nicht wahnsinnig viel mit Max Frischs Roman «Homo Faber» von 1957...
Die multikulturelle Gesellschaft sei gescheitert, tönt es seit der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh durch einen islamistischen Extremisten mit triumphalem Unterton aus konservativen Politikerreden und Zeitungskommentaren. Gemeint ist mit «Multikulti», wie man das Phänomen in genüsslich spöttischer Abkürzung gerne zu nennen pflegt, eine...
Natürlich ist der «Neger» weiß. Erst ganz am Schluss kramt er doch noch das Creme-Tiegelchen hervor und schmiert sich zentimeterdick die schwarze Farbe auf den Leib und ins Gesicht. Mit küssender Gewalt hinterlässt Othello seine dunklen Spuren auf der weißen Unschuldshaut Desdemonas – wie bereits anno 1976 Ulrich Wildgruber als Zadeks Wilder. Der Mohr in Michael...
