Aufmucken gegen einen Popanz
Das Stück ist ein Monstrum. Eine Zumutung. Ein hanebüchener Alptraum mit kruden Setzungen und einer Überdosis Gewalt, Schmerz und Raserei. Ein Trip ins Nichts ohne Fluchtwege oder transzendente Abfederung – und doch erzeugt es auch 400 Jahre nach seiner Entstehung einen Sog, der Zuschauer wie Theatermacher magisch anzieht. Den Lear zu spielen, ist auch heute die Krönung einer Darstellerkarriere und gleichzeitig ein Kraftakt, der im besten Rollenalter kaum noch zu bewältigen ist – Grund, sich dem Schau(er)spiel beizeiten zu nähern.
König oder Bauer
«Look there! Look there!» – Lears letzte Worte prangen mannshoch auf dem rot-weiß-gestreiftem Markisenstoff, der anstelle des eleganten mintfarbenen Samtvorhangs das Jugendstilportal des Schauspielhauses verschließt. Man müsste es nicht zweimal sagen, so hochgespannt waren die Erwartungen auf diese Premiere an den Münchner Kammerspielen; schließlich geistert immer noch die legendäre Vorgängerversion aus dem Jahr 1992, inszeniert von Dieter Dorn in Jürgen Roses edel abgewetztem Vorzeit-Ambiente und mit Rolf Boysen in der Titelrolle, durch das Theatergedächtnis der Stadt.
Nun also wieder «Lear», und wieder führt der Hausherr Regie – man kann ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Silvia Stammen
«Licht und Finsternis», das heißt in Lars-Ole Walburgs Inszenierung von gleich zwei Tolstoi-Texten an einem Abend ganz pragmatisch oben und unten. Denn Walburg spielt das Drama «Die Macht der Finsternis» und das Fragment «Und das Licht leuchtet in der Finsternis» nicht nacheinander, sondern bringt die Geschichte um einen gut situierten Systemaussteiger und eine...
Nach der Papierform konnte man das noch für eine gute Idee halten: den Irrsinn der europäischen Partikularinteressen und Lobbyegoismen in einem Familienstück zu spiegeln, in dem sich Solidarität und Fürsorge und die eigenen Wünsche naturgemäß in die Quere kommen.
Drei Generationen-WG also. Opa, Tochter, Enkel ziehen in eine neue Wohnung, noch unmöbliert. Sohn Jakob...
Das Gerücht, das Theatertreffen habe sich in den letzten zehn Jahren grundstürzend geöffnet, hält sich hartnäckig. Es habe neuen Inhalten, veränderten Theaterformen oder innovativen ästhetischen Paradigmen den Weg wenn nicht bereitet, so doch geebnet. Stimmt schon, 2002 war zum ersten Mal René Pollesch eingeladen, im selben Jahr hat sich auch Meg Stuart mit ihrer...
