Köln: Die Tücken des Ungesagten

Jens Albinus «Umbettung» (U) im Schauspiel

Theater heute - Logo

Familiendramen finden noch öfter in der Wirklichkeit statt als auf der Bühne. Aber auch der im 19. Jahrhundert entwickelte Dramentypus ist unverwüstlich. Jens Albinus, der dänische Filmschauspieler, Dramatiker und Regisseur, hat diese Tradition weitergeschrieben. In seinem neuen Stück scheinen die Grundrisse aller Vorgängermodelle durch. Aber er treibt die Analyse ein Stück weiter.

Er nimmt einen Extremfall von Patchwork-Familie als Ausgangspunkt: Eine wegen weltweiter künstlerischer Tätigkeit abwesende Mutter dreier Töchter (Tschechow) von verschiedenen Vätern unterschiedlicher Nationalität kehrt zurück. Anlass ist die Verlegung des Grabes der bei einem Verkehrsunfall gestorbenen mittleren Tochter (Norén).

Betrieben wird die Familienzusammenführung von der jüngsten Tochter. Ihr Vater, ein gescheiterter Schriftsteller, hat im Haus der Mutter die Töchter erzogen. Die von der Jüngsten ersehnte «family reunion» wird natürlich ein Showdown: Jeder rechnet mit jedem ab, die Katastrophe folgt. Der Vater will sich erschießen, trifft aber nur seinen Fuß (Ibsen). Der Freund der Jüngsten, ein kiffender Softie und Flüchtlingshelfer, setzt, um sich endlich einmal als Täter und nicht nur als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Nürnberg: Rechter Spaßprediger

Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in...

Detmold: Im Nebel

Bittersüße Melancholie und traumgleich verschobene Wahrnehmung – der Titel von Henriette Dushes bereits 2011 entstandener «Bühnenelegie» (ausgezeichnet mit dem Grabbe-Preis und dem Lenz-Preis für Dramatik) setzt zweifellos poetische Assoziationen frei. «Drei Spielerinnen» und einen «Männerchor von drei Stimmen» führt Dushe in diesem «dichten Birkenwald» zusammen,...

Migration und Hintergründe

Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen...