In der B-Zone der EU
Die Halbwertszeit für Legenden wird allenfalls durch die von Vorurteilen übertroffen. Weil die Stereotypen einmal da sind, werden sie auch bedient und selbst von jenen am Leben erhalten, die ihnen den Kampf angesagt hatten. Reichlich Anschauungsmaterial dafür bieten Theaterfestivals mit einem Länderschwerpunkt. Da macht auch die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin keine Ausnahme. Im März veranstaltete sie ihr nunmehr sechstes Festival für Internationale Neue Dramatik, F.I.N.D., mit einem Schwerpunkt Süd-Ost-Europa.
Zu den Staaten auf dem Balkan bis zum Schwarzen Meer besteht erheblicher Informationsbedarf. Wie erfahren die postsozialistischen Gesellschaften am Rande der EU den Globalisierungsumbruch? Wie lebt es sich in Bukarest, Sofia oder Istanbul? Ermöglicht das Theater ein differenzierteres Bild als die CNN-Perspektive?
Neben der «Shoppen-und-Ficken»-Legende Mark Ravenhill sorgte eine Mayenburg-Uraufführung für den glänzenden Rahmen der sechs szenischen Lesungen von Autorinnen und Autoren aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei. Die von der Konzeption und dem Titel her verlockendere Rahmenveranstaltung, das Autorenprojekt «Orientexpress», unterbot jedoch den eigenen ...
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Am Ende sind fast alle tot. Auf der Bühne steht ein Tischlermeister, der die Welt nicht mehr versteht und sich weiterhin «sinnend» in seine kleinbürgerlichen Moralvorstellungen verschraubt. Der Mann kapiert nicht, dass statt Sinnieren gelegentliches Denken durchaus angebracht wäre. Hätte er mal nachgedacht, wäre seine Familie vielleicht nicht zerbrochen und die...
Nein, noch ist es nicht ganz vorbei mit den glücklichen Tagen des Kapitalismus, in denen sich unsere Gesellschaft Theater leisten kann und diese Theater Schauspieler, und die Schauspieler es sich wiederum leisten können, Musik zu hören und dazu kleine absurde Geschichten zu erfinden – alles ganz entspannt! «Wir werden siegen! Und das ist erst der Anfang» heißt der...
Die Welt ist voller Missverständnisse. Ein halbes Dutzend droht allein schon, wenn man nur erklären will, wovon Carles Batlles eigentlich ganz einfaches Drei-Personen-Stück «Versuchung» handelt. Es spielt in der Wohnung des jungen katalanischen Antiquitätenhändlers Guillem, der seinen Wohlstand durch Schiebergeschäfte mit illegalen Einwanderern aus Marokko...
