Zumutung gegen Vermutung

Über Feridun Zaimoglus und Günter Senkels semidokumentarische Monologe «Schwarze Jungfrauen» und ihre Uraufführung am HAU Berlin

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Die eine wettert gegen «die Schwuchteln», «Scheißisrael» und «bürgerliche Pornoschlampen». Der nächsten sind «die toleranten Arschlecker» ein «Gräuel». Auch die Dritte hat «knallharte Ansichten: Es lebe der Gottesstaat! Es lebe der islamische Kampf im Irak und in Palästina! Amerika ist der Große Teufel!». Die zum Islam konvertierte Deutsche hält nichts von Ausländern: «Sie sind so extrem, sie schwitzen und stinken, sie haben kein Benehmen.

» Und die Querschnittsgelähmte fleht Allah an, er möge ihren Pfleger fertigmachen, «die Darmschlingen sollen dir, Pfleger, herunterbaumeln und schlackern neben deinen Beinen». Was zum Teufel sind das für Frauen? Verblendete Ideologinnen, selbstbewusste Hassmaschinen, abgefuckte Zeitbomben? 

Jedenfalls werben die «Schwarzen Jungfrauen», deren authentische Lebensbeichten der Schriftsteller Feridun Zaimoglu in insgesamt zehn Monologen aufgeschrieben hat, nicht gerade um Mitgefühl und Verständnis. Weder für ihren orthodoxen Glauben, noch für ihre Biografien und Anschauungen, die voller Widersprüche stecken. In einer Gesellschaft, die sich von Integrationskrisen geschüttelt und von Fundamentalisten bedroht glaubt, sind diese Neo-Musliminnen starker ...

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Theater heute Mai 2006
Rubrik: Das Stück, Seite 40
von Eva Behrendt

Vergriffen
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