Nach dem Happy End geht es weiter
Zu den unvergesslichen Momenten der diesjährigen Berlinale, Dieter Kosslicks letzter, gehörte die Pressekonferenz, die Angela Schanelec zu ihrem Wettbewerbsfilm «Ich war zu hause, aber ...» gab. Da saß diese fragile Person, Jahrgang 1962, zwischen ihren Schauspieler*innen und sagte mit mädchenhaft staunender Stimme Sätze wie: «Kann sich irgend jemand nicht für Esel interessieren?» Interpretieren, erklären, die Lücken, die ihr Film lässt, nachträglich auffüllen, damit die verzweifelt nachfragende Presse hinterher netter schreibt – nicht mit Angela Schanelec.
Ob sie weiß, dass nichts (deutsche) Kritiker mehr entzückt als renitente Verweigerung? Jedenfalls wurde ihr Film am nächsten Tag in der Tagespresse gefeiert wie kein anderer im bis dahin recht mauen Wettbewerb.
Das Private ist politisch?
Gut möglich, dass da schon eine gewisse Ermüdung angesichts allzu geschmeidiger Sätze eingetreten war. Allen voran dem, den Dieter Kosslick zur Überschrift seiner letzten Berlinale gemacht hatte: «Das Private ist politisch.» Der ausgeleiertste aller 68er-Sprüche schwebte ein wenig ziellos über einem Festival, das sich in hochpolitischen Zeiten zumindest in den Filmen, denen die erste Garde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2019
Rubrik: Berlinale 2019, Seite 30
von Barbara Burckhardt
Im Anfang war das Wort, und das Wort war beim Lied. Aber da blieb es nicht lange kleben, sondern flutschte weg, verwandelte sich, wurde wieder Melodie, eine andere Melodie, Theatermelodie, Sprachmelodiesprechwerk. So fließt oder besser flowt es in Wolfram Hölls neuem Text «Disko», der sich im Anhang ausdrücklich bei Größen des Elektro- und Plastikpop bedankt: bei...
Es lohnt sich, vor Beginn der Aufführung die Synopsis im Programmheft zu lesen. Da erfährt man, dass das Stück im Jahr 3000 spielt, wenn ein großer Teil der Menschheit längst in Weltraumkolonien ausgewandert ist, während sich der auf der Erde verbliebene Rest mit knappen Ressourcen, geschmolzenen Polkappen und einem «neokommunistischen» System herumschlagen muss....
So plump und doof können das Frauen den Männern mit Sicherheit nicht nachmachen. Was da an Stammtischen oder in sonstigen nur dem starken Geschlecht vorbehaltenen Reservaten von der einen Hälfte der Menschheit über die andere schwadroniert und unter beibehaltener Ausschaltung jeglicher Gehirntätigkeit gelallt wird, geht nun wirklich auf kein gegerbtes Leder. Von...
