Die Welt im Stück
Wie schreibt man mit zwei Menschen eine ganze Welt? Es dürfen auch drei oder vier sein, aber selten mehr als ein Dutzend. Es muss auch nicht immer gleich die ganze Welt sein, aber doch wenigstens ein wichtiger Teil davon, ein bedeutendes Problem, ein entscheidender Konflikt, eine aufschlussreiche Situation. Auf jeden Fall deutlich mehr als das Privatproblem von Herrn X oder Frau Y – soviel darf man schon verlangen von einem ordentlichen Theaterstück. Nicht nur so ein Partikularproblemchen von hinten links.
Solch ein Anspruch war vor dreißig, vierzig, fünfzig Jahren deutlich einfacher einzulösen. Als die deutsche Bundesrepublik noch eine ordentliche Gesellschaftszwiebel mit dickem Bauch und kurzen Enden war; als eine solide, berechenbare Angestelltenwelt mit ihren gerne repressiven kleinbürgerlichen Konventionen am Familientisch entschied, was Normalität bedeutet. Kurz: als das Normalmenschenschicksal nicht nur für sich, sondern irgendwie auch für alle sprach und wir in einer vielleicht autoritären, oft leicht langweiligen, aber einigermaßen überschaubaren fordistischen Nachkriegsmoderne lebten. Darin wurden dann Generationen- oder Emanzipationskonflikte geklärt oder soziale Fragen ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Mülheim Stücke, Seite 36
von Franz Wille
TH Matthias Lilienthal ist einer der wenigen Auserwählten, die Theater der Welt gleich zwei Mal kuratieren durften. Das erste Mal 2002 in Bonn, Düsseldorf, Köln und Duisburg. Damals stand eine programmatische Äußerung im Vorschauheft: «In den 70er und 80er Jahren ist das Vertrauen in Politik verloren gegangen, in den 90ern gab es dann ein Vertrauen in die Ökonomie,...
Neue Stücke
Roland Schimmelpfennig, Profijongleur paralleler Erzählstränge, hat nach längerer Pause ein neues Stück geschrieben. «SPAM» heißt das Drama um zwei Unglücksfälle: Eines ereignet sich unter ausgebeuteten Afrikanern beim Abbau des Handyrohstoffs Coltan, eines unter Handybenutzern, die in einem U-Bahnzug der westlichen Welt ins Verderben donnern. Die...
In Yer Face
Sibylle Bergs «Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» im Berliner Gorki Theater
Ich gestehe es freimütig: Die Aussicht, im Maxim-Gorki-Theater künftig «postmigrantisches» Theater geboten zu bekommen, hatte mich nicht gerade veranlasst, vor Freude auf dem Tisch zu tanzen. Dinge, die die Silbe «post» im Namen tragen, haben sich bei näherer Betrachtung...
