Heimspiel: Expeditionen ins Eingemachte
Fast ist es schon ein neues Genre, zumindest aber eine Erfolgsstory: das Stadtprojekt. Jedes deutsche Stadttheater, das etwas auf sich hält, machte sich in den letzten Jahren daran, die eigene Kommune und dabei besonders gern den Problem-Kiez unter die Lupe zu nehmen und auf schlummerndes dramatisches Potenzial hin abzuklopfen. Das bringt Bewegung ins Bühnengeschehen, wird politisch gern gesehen, soll Berührungsängste junger Publikumsgruppen überwinden und somit das eigene Überleben sichern helfen.
Die Kulturstiftung des Bundes hat sogar eigens einen Förderfonds namens «Heimspiel» geschaffen, aus dem nicht unbeträchtliche Summen ausgeschüttet werden, um das Image des deutschen Stadttheaters (freie Gruppen sind ausdrücklich von der selbstständigen Antragsstellung ausgeschlossen) von einer sperrigen Bastion der Hochkultur zu einer künstlerisch grundierten Integrationsmaßnahme umzuwerten.
Die Initialzündung dazu kam im Jahr 2004 von den Münchner Kammerspielen, als der Regisseur Peter Kastenmüller und der Dramaturg Björn Bicker unter dem Label «Bunnyhill» das wilde Hasenbergl, eine berühmt-berüchtigte Reißbrettsiedlung aus den 70er Jahren mit hohem Ausländeranteil, zum temporären
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Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselinröcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von...
Es hat sich rumgesprochen, dass hier kein Dorf- oder Bauerntheater gespielt wird. In Oberammergau, dem Vollbartkurort am Fuß des Felsgebirgs, sind ausgefuchste Profis an der Arbeit, jeder Rauschebart und jedes Dirndl waschechte Künstler von Geburt an, egal, ob sie die weltberühmten Holzfiguren schnitzen, ihre breitärschigen Hotel- und Bauernhausfassaden mit bunten...
Soeben wurde der Aztekenkönig Montezuma vom hinterhältigen spanischen Eroberertrupp gefangen genommen. Sein tadellos modellierter Oberkörper, dem kein Ertüchtigungsgerät unter dieser Fitness-Sonne fremd sein kann, hat ihm nichts genützt: Der King war schlicht zu gutgläubig für diese Welt. Gastfreundlich hatte er die Kolonisatoren empfangen – und wird am Ende von...
