Die Generalin
Allüberall steht er auf dem Spielplan, Shakespeares venezianischer Mohr. Das Stück über die Eliminierung des Fremden passt scheinbar gut zur Aufregung um dänische Mohammed-Karikaturen, eine Regensburger Papstrede und, jüngst, zur LKA-Warnung, die in Berlin zur Absetzung der Oper «Idomeneo» führte. Die Angst, sich unbeliebt zu machen bei den gefährlichen muslimischen Brüdern, geht um. Erst die Angst, dann womöglich die Gegenwehr? Werden wir ein Volk von Jagos? Türken raus?
Ein Kurzschluss.
Othello ist bei näherer Betrachtung das genaue Gegenteil eines gewalttätigen Fremden – bestens assimiliert, ein Konvertit, der Karriere gemacht hat, der Colin Powell des Welttheaters. Jagos Vernichtungsfeldzug gegen seinen Vorgesetzten speist sich aus Rassismus so wenig wie aus Angst, sondern aus der blanken Lust eines Zurückgesetzten an der Intrige. Das politische Aktualisierungspotenzial des Stückes hält sich in Grenzen; Lars-Ole Walburg lässt sich in Hannover denn auch auf aktuelle Debatten kaum ein. Das Drama ist ihm Spielmaterial und sonst gar nichts.
Sein Spielmacher ist ein frei hinzuerfundener Engel. Jovial begrüßt der halbnackte fette junge Mann mit hüftlangem Strähnenhaar und weißen ...
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Irgendwann am Eröffnungsabend sagte der neue Intendant, er wolle «kein hippes Theater» machen. Mit Blick auf das Mitte-Völkchen aus Kunst, Politik und Journaille, das sich währenddessen im lichtergeschmückten Garten des Maxim Gorki Theaters tummelte, zwischen zehn Premieren an sechs Spielorten hin- und herschwirrte und sich pudelwohl zu fühlen schien, klang das...
Am Anfang war die Idee. Keine besonders gute, wie sich im Nachhinein herausstellte. Aber das konnte das Team um den neuen Basler Schauspieldirektor Elias Perrig ja kaum ahnen. Es ging darum, die Saison im Jahr eins nach dem Abschied von Lars-Ole Walburgs – und zuvor Stefan Bachmanns – ruhmreichem Ensemble zu planen. Nichts kniffliger als das. Schließlich hatte sich...
Topfpflanzen. Ein Wald aus eingetopften, aber riesenhaften Büschen, zwei bis drei Meter hoch mindestens. Die Bühnenbildnerin Katrin Brack, die dem Ganzen im Theater immer mit einer einzigen Idee begegnet, hat für Luk Percevals Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» das Dschungelmotiv mit dem der häuslichen Grünpflanze gekreuzt. Vorne Sofa...
