Festival: Im Dialog
Bilder wie diese kann ja keine Bühne, kein Theater bieten – Bilder wie aus der «Vila Itororo», einer kleinen Geisterstadt mitten im Herzen der Monster-Metropole Sao Paulo. Vor bald 100 Jahren entstand hier eine kleine Siedlung zu Füßen des Wohn-Tempels, den ein offensichtlich reichlich durchgeknallter Architekt für sich selber entwarf; mit Säulen wie auf einer Akropolis «en miniature» und mit Interieur aus einem alten, damals schon verfallenen Theater der Stadt.
Längst sind Hochhäuser, Wohntürme und Schnellstraßen um das Terrain herum gewachsen, das Straßen-Niveau jenseits der Mauern der «Vila Itororo» liegt mittlerweile über den Dächern des völlig maroden Geländes. Die Wohnblöcke verfielen, wurden von Künstlern besetzt und sollen jetzt zum Kulturdenkmal werden – auch wer über Jahre hin quasi um die Ecke wohnte, hat diesen verkommen-verzauberten Ort womöglich nie zu Gesicht bekommen. Durch dieses Ambiente nun, diese «Cidade Vodu», die Voodoo-Stadt, führt uns – ständig irre kichernd – der Tod persönlich in der Produktion vom «Teatro dos Narradores», dem «Theater der Erzähler».
Texte und Materialien über die Sklaverei hat Regisseur Jose Fernando Azevedo montiert, und Haiti steht im ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Michael Laages
Till Briegleb Clemens Sienknecht, wie kommt man als Regisseur und Musiker auf die Idee, einen traurigen Roman über ein ungelebtes Leben wie Fontanes «Effi Briest» mit einer lustigen Radioshow aus den Siebzigern zu verbandeln?
Clemens Sienknecht Als ich Fontanes Roman las, stellte ich mir vor, dass die Geschichte von einer Schallplatte erzählt wird. Innstetten tritt...
Unter Tage. Ein Mann allein im Dunkel. Nur das Grubenlicht am Helm leuchtet. Man hört seinen schweren Atem. Der Presslufthammer bohrt ins Gestein. Bald wird jede Menge Kohle abgesprengt sein.
Schnitt: Ein Junge kramt im Badezimmerschränkchen zwischen Lux-Seife und Echt Kölnisch Wasser. Er trägt eine kurze Lederhose mit Edelweiß-Emblem. Es ist Sommer. Draußen hängt...
Ein aufgerissenes Hemd, eine abgestreifte Hose, ein kurzes Stöhnen. Dann liegen sie wieder da auf ihrem Luxussofa ohne eine Idee, wie die Restzeit totzuschlagen sei – für immer und ewig. Hedda verdreht die Augen überm Wonnemund, Jörgen schaut verlegen weg, und vorbei ist es mit der Intimität des Scheinehepaars. Denn im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden...
