Ein Kessel Ikonen
Weiß, oval, eng und weit. Es ist ein Raum irgendwo zwischen White Cube und Gladiatorenarena, den sich Sebastian Hartmann zum Ende seiner Intendanz für seine Leipziger Festspiele ins Centraltheater gestellt hat. Ein Totaltheater, dem nicht nur die Stühle des Zuschauerraums, sondern auch der Deckenleuchter einem riesigen Scheinwerfer weichen musste. Bis zu 200 gleichfalls gut ausgeleuchtete Zuschauer fasst das Rund. Die Schauspieler sind buchstäblich greifbar und müssen alle 360 Grad gleichermaßen anspielen.
Der erste tapfere Recke, der diesen Kessel einnimmt, ist Benjamin Lilie mit einem Monolog, basierend auf dem Dostojewski-Roman «Der Traum des lächerlichen Menschen». Hartmann inszeniert selbst. Er ist Teil einer russischen Trilogie mit der schönen Aufforderung «Entscheide dich für die Liebe». Zunächst aber steigt Hausphilosoph Guillaume Paoli in den Ring, der zu den Premieren zum «Vorglühen» lädt. Den Kreis beschreitend erläutert er in freien Reflexionen, warum wir eine neue Kultur des Dankens brauchen. Danke dafür!
Lilies Traum
Am Anfang ist das Licht. Zum dröhnenden Klang von sechs Posaunen simulieren die im Rund hängenden Scheinwerfer Morgendämmerung. Es folgt der Empfang durch ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Magazin: Finale, Seite 67
von Torben Ibs
Er hält es im Kopf nicht aus. Die Bücher, die auf die Bühne (Bartholomäus M. Kleppek) herabregnen und später aus Ophelias Grab hochgeschleudert werden, geben ihm den Rest. Die Stimmen, die in ihm toben (oder als Sports-Geist in weißer Fechter-Montur auftreten und mit ihm einen Robot-Rap ausführen), muss er aus sich raus lachen. Da kann Hamlet – in Kapuzenjacke und...
Sie knistert verheißungsvoll bei jeder Berührung, braucht Raum – mindestens einen Sitzplatz in der U-Bahn, besser noch eine Ecke im Café –, um sich genüsslich aufzublättern und verströmt das unvergleichliche Aroma von frischem Papier, Druckerschwärze und gut gewürzter Geistesnahrung. Bei den Kindern der Post-Gutenberg-Ära könnte eine derartige Beschreibung bald nur...
Eher selten findet man heute diese Art dazustehen. Es gibt sie auch nur bei Frauen. Die Füße sind weit voneinander entfernt, die Beine steigen parallel vom Boden auf – obwohl sie doch schräg zusammenlaufen müssten, um in der Hüfte gemeinsam anzukommen. Es ist ein anatomisches Wunder. Walt Disney hat Minnie Mouse eine Weile so gezeichnet.
Wenn Frauen so dastehen,...
