Die Pflichtlektüre
2005 war erst vorgestern: das Schillerjahr zum 200. Todestag, das den Dramatiker der großen Emphase und der steilen Plots auf jede Bühne des Landes trug. 2009 schon wieder ein Schillerjahr: 200. Geburtstag im November, die Theater rüsten sich zum Pflichtprogramm und erledigen gleichzeitig ihren Bildungsauftrag mit sicherem Publikumszuspruch nicht nur der reiferen Jahrgänge.
Schiller-Abende, die offensiv den Klassenbesuch der gymnasialen Oberstufe unter der Knute ihrer Lehrpläne ins Visier nehmen, sind derzeit in Essen und Berlin zu sehen.
An der Berliner Schaubühne untersucht Falk Richter die unstandesgemäße Beziehung, die zu «Kabale und Liebe» führt. Und in Essen verarbeitet Intendant Anselm Weber den NRW-Abiturstoff «Don Carlos» als erste Inszenierung nach Bekanntgabe seines künftigen Postens als Bochumer Intendant unter verschärfter Beobachtung des überregionalen Feuilletons.
Big Brother passt auf
Wo die Schule den Schiller einzubetten hat in Literatur- und Ideengeschichte, soll das Theater ihm Leben einhauchen, eine irgendwie geartete Bezüglichkeit zum Jetzt herstellen. Nicht so einfach. Was macht man zum Beispiel in Zeiten von Email und SMS mit Schillers fataler ...
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Bei der Verleihung eines Preises sagt der Architekt Georg Winter einen tiefsinnigen Satz: «Ein Architekt hat den einzigen Beruf, der es erlaubt, durch die eigenen Gedanken zu gehen.» Gebäude sind also entäußerter Intellekt, zumal bei einem Planer wie Winter, dessen Markenzeichen es ist, dass er immer die Konstruktion auch sichtbar sein lässt. Was er bei seiner...
Zunächst die gute Nachricht: Es werden keine Schuhe geworfen. Die politische Dimension von Albert Camus «Der Fremde» ist historisch, und Sebastian Baumgarten, der den Roman jetzt in Frankfurt zu einem Bühnenstück gemacht hat, verlässt sich auf die Assoziationskraft der Zuschauer, statt Camus’ Algerienparabel künstlich mit Irakverweisen aufzuladen. Gleich zu Beginn...
Eines Tages begann mitten im Lande ein kleiner Tümpel zu singen. Alle Menschen in seiner Umgebung wurden von seinen wohltuend alles lähmenden, einhüllenden Klängen angelockt, versammelten sich um ihn herum und starrten ins singende Wasser hinein, sie wurden von den Tönen, die aus dem Teich sich erhoben, gefangengehalten. Vom Wind wurde die Musik des Tümpels...
