Problem Bewusstsein
Er hält es im Kopf nicht aus. Die Bücher, die auf die Bühne (Bartholomäus M. Kleppek) herabregnen und später aus Ophelias Grab hochgeschleudert werden, geben ihm den Rest. Die Stimmen, die in ihm toben (oder als Sports-Geist in weißer Fechter-Montur auftreten und mit ihm einen Robot-Rap ausführen), muss er aus sich raus lachen. Da kann Hamlet – in Kapuzenjacke und Springerstiefeln – nur noch maschinenhaft in Heiner-Müller-Zungen reden und mühsam die Buchstabenfolge im Namen Horatio zusammenbringen.
Jan Klata setzt Shakespeares Drama unter das Dauerfeuer seiner Einfälle, die er bereitwillig wiederholt und immer noch eins draufgibt. Einer davon ist, die Szene als Ballettstudio einzurichten, mit Übungsstange, an der Ophelia (mit gefärbtem Karotten-Haar: Xenia Snagowski) Spitze übt oder an die sie im Sadomaso-Ritus gefesselt wird im Angesicht einer Spiegelwand, vor der Claudius und Gertrud Ovationen der Dänen empfangen. Ein anderer Einfall: Polonius als Trainer mit Trillerpfeife die seinen drillen zu lassen. Oder: Hamlet und Gertrud (Bettina Engelhardt) unter einer Plastikplane in inzestuösem Handgemenge. Oder: Laertes und Hamlet zu Vivaldi schattenboxend im Duell. Und weiter: ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Wilink
Angehängt an Wolfram Lotz’ Theaterstück «Der große Marsch» ist eine frisch delirierende «Rede zum Unmöglichen Theater», die man jedem Schauspielschüler, dem sie nicht sowieso schon aus dem Herzen spricht, an den Garderobenspiegel pinnen möchte. Es geht los mit «Die Würstchen der Wahrheit, die für uns gebraten werden, wollen wir nicht mehr essen!», dann verflucht...
Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen beschenkt die britische Kult-Physical-Theatre-Gruppe «Told by an Idiot» sich und die insulare Theaterwelt mit einer wunderbar skurrilen neuen Produktion. «Idiot»-Veteran Paul Hunter kickstartet «My Perfect Mind» in weißem Kittel, Walle-Perücke und perfektem Deutsch. Besonders Letzteres für einen Engländer eine grandiose Leistung:...
Hoch die Flaschen! Zu feiern haben sie nichts, zu ertränken einiges. Sie sind noch nicht alt und doch schon ziemlich am Ende. «Total am Arsch», nennen das die einen, am «Perspektivenminimum» die anderen. Ein lausiges Lebensgefühl haben die Polin Dorota Maslowska (Jahrgang 1983) und der Österreicher Ewald Palmetshofer (Jahrgang 1978) ihrer Generation da abgelauscht....
