Der Himmel leer
Mit den Worten «hallo? / hört uns jemand?» eröffnet der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer sein neues Theaterstück, eine hochmusikalische, rhythmisch stark geformte Sprachpartitur. Die Frage, die sich als ein Angebot an das Publikum verstehen lässt, in einen Dialog zu treten, ist eine rhetorische, denn die Verlorenen werden kein Gehör finden.
Bereits im Prolog, in dem die Polyphonie «einzelner», «einiger», «einiger anderer», «einiger und einiger anderer» sich zu einem gemeinsamen Gebet «aller» formt – einem Vaterunser ex negativo –, wird allgemein postuliert, was den individuellen Leidensweg der Figuren bestimmen wird: «unumstößlich / ohne Rat und ohne Hilfe eingeschlossen / alles schon beschlossen / drüben: keine andre Welt / kein Drüben, Draußen, Droben / Jenseits nicht / gespielt sind alle Karten schon / es folgt auf dies / dies alles / diese / keine nächste / nächste Runde / die Partie ist einzig / wiederholt sich nicht / für alle / gibt es nicht genug / was kümmert es das Spiel / wer es verliert.»
Die Parameter sind festgelegt, die Regeln definiert, die Spieler*innen räumen nach dem Prolog das Feld und verwandeln sich mit der ersten Szene in Figuren. Im Zentrum ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 173
von Constanze Kargl
So muss sich das Warten auf’s Schafott anfühlen. Drei Mitarbeiter*innen eines international agierenden Magazins sitzen beisammen und warten auf ihr Urteil. Was geschehen ist? Zur Feier des Black-Achievement-Monats hat Lesley für das Cover der Zeitschrift das Bild einer schwarzen Frau gezeichnet, in «ihrem eigenen Stil». Sie selbst nennt es eine Ode an dieselbe,...
Und stockt kurz sie, die Wutentbrannte, stockt, um ihrem Gegenüber die schlimmste Beschimpfung an den Kopf zu werfen, die ihr einfallen konnte: «Du Künstler!», krächzt die aufgebrachte Passantin Christoph Schlingensief bei der Aktion «Ausländer raus!» entgegen. Mittlerweile ist es fast 20 Jahre her, dass Schlingensief mit seinen Containern vor der Wiener Staatsoper...
Sind Sie verzweifelt oder hegen suizidale Gedanken oder stellen diese bei Bekannten fest, wenden Sie sich bitte an Menschen, die dafür ausgebildet sind.»
Wenn wir Google oder eine andere Maschine mit der Suche nach Suizid, Selbstmord oder Freitod beauftragen, stoßen wir am Ende der vorgeschlagenen Seiten immer wieder auf Aufforderungen dieser Art. Es folgen...
