Tut was!

Lessing «Nathan der Weise» (Werkstatt)

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Fast liegt es auf der Hand, die Gelenkigkeit, die Grazie der Lessingschen Verse einmal
direkt ins Körperliche, ins Tänzerische zu übersetzen: «Nathan» nicht nur als rhetorisches, sondern als buchstäbliches Ballett (mit Worten) aufzufassen. Das Stück zeichnet sich entgegen seinem Ruf nicht allein durch trockene Vernunft, sondern vor allem durch eine eminente Theatralität aus; diese ernstzunehmen, kann oder muss auch heißen: die Komik des Textes zu forcieren.

Die junge Regisseurin Franziska Marie Gramss unternimmt in ihrer Bonner Werkstattinszenierung mit sieben fabelhaften Schauspielern einen bestechenden Versuch, «unser aller Aufsatzthema» (so der Schriftsteller Lutz Seiler) mit der Souveränität und der Chuzpe einer begabten Abiturientin so anzugehen, dass der Lehrer den erwarteten Toleranzappell vielleicht eine Weile zwischen den Zeilen suchen muss, aber aus dem zustimmenden Schmunzeln nicht mehr herauskommt.

Die Bühne von Carolin Mittler: ein eierschalfarbenes Halbrund mit einer schmalen Bank, auf der die Akteure Platz nehmen. Das Eierschalfarbene spielt auch in den fantasievollen Kostümen (ebenfalls von Mittler) eine bedeutende Rolle, der beleibte Nathan (Günter Alt) ist ganz so ...

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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Martin Krumbholz

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