Blitz, lass nach
Botho Strauß ist ja Romantiker. Wobei. Vielleicht eher ein Propagandist des Romantischen. Ein Artenschützer. Denn mindestens ebenso viel wie mit dem Geträumten und Fantasierten befasst er sich damit, dass die anderen es leugneten, mit Füßen träten und überhaupt einen globalen, technisch-digital gestützten und kulturell verbrämten Kampf dagegen führten.
In der Haltung eines letzten Sehers sendet er regelmäßig Botschaften aus, deren gelehrte Distanziertheit immer beeindruckt, deren kritischer Gehalt jedoch am Ressentiment gegen alles krankt, was Zugriff nimmt und teilhat an der Welt, anstatt sie nur vom Rande aus, höchstens «auf Zehenspitzen» entweder anzubeten oder zu belauern.
Das Zweckmäßige und Allgemeine, das Naheliegende und Einsichtige ist Botho Strauß verhasst. Er schützt sich davor mit Meditationen über jenes, was es entweder nicht (mehr) gibt oder was wenigstens nicht verstanden werden kann. «Einstweh». «Beginnlosigkeit». Oder so. Gerne bezeichnet er sich als «Fulgurist», nach fulgur, dem lateinischen Wort für Blitz. In jedes System, so warnt er genüsslich, könne allzeit etwas einbrechen, das alles umstürze: das «heilig Unvorhersehbare». Womit er eine ziemlich schlechte ...
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