Innen Tschechow, außen Johannes B. Kerner
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Talente, schon die Anfrage brachte mich in Verlegenheit. Was es denn bedeute, in diesem Land talentiert zu sein, ja, dachte ich, sehr interessantes Thema, aber wenn die mich für talentiert halten, dann muss ich mich, wenn ich zusage, ja auch selber für talentiert halten, öffentlich. Ich finde, so was macht man eigentlich nicht.
Andererseits, welchen Sinn würde es machen, wenn hier jetzt ein definitiv Untalentierter über seine Erfahrungen mit dem Talentiertsein in Deutschland sprechen würde, obwohl – bei näherer Überlegung – dies vermutlich genau den Zustand unseres Landes treffen würde.
Offen gestanden, es wimmelt doch nur so von Untalenten, die es irgendwie geschafft haben. Man muss ja nur den Fernseher anmachen oder ins Büro gehen, jeder fragt sich das doch, wieso ausgerechnet der, warum um Gottes willen diese Kuh, wieso nicht ich?
Neid, ja, aber vielleicht auch eine gerechte Enttäuschung, denn dieses Land, angefangen vom kleinsten Verbund bis hoch zur Spitzenpolitik, scheint ein Verfahren entwickelt zu haben, es wirklichen Talenten schwer zu machen.
Nicht unbedingt am Anfang, aber später dann, wenn es an die Begleitung und Durchsetzung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bei «Margot und Hannelore» war es ein vertracktes Wechselspiel um verlorene Identitäten auf der wackligen Grundlage einer kaum bewältigten und moralisch schwer kontaminierten Historie; bei «Wir im Finale» wurde dann schon das letzte noch auffindbare Quäntchen Selbstbewusstsein durch kollektives «Tooor»-Gebrülle hochgepuscht, und auf der La-Ola-Welle schwappte eine...
Für manche war es einer der bewegendsten Momente der diesjährigen Berliner Filmfestspiele: Über den gleichen Teppich, über den in den Vortagen Stars wie George Clooney oder Meryl Streep geschritten waren, liefen nun Andreas Müller und Ilka Welz, die Hauptdarsteller aus Valeska Grisebachs «Sehnsucht». Und die beiden Laienschauspieler aus Brandenburg standen den...
Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annette Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als geradezu zeitgeistiges psychologisches Familiendrama gelesen, als Saga um Maximilian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in...
