Winnetou aus Samoa
Irgendwann geht ein tropischer Regenguss nieder. Dann legt der Eingeborene seine Schamanenpranke auf den Körper des Mitteleuropäers, worauf der mal kurz vom Scheitel bis zur Sohle zuckt. Der Gute heißt Felix, ist im Moment aber alles andere als glücklich. Da sitzt er doch tatsächlich zusammen mit der Lisa und der Pascale irgendwo in den südamerikanischen Tropen, und weit und breit ist kein Journalist in Sicht. Nur Staub und dieser Eingeborene eben, den man wohl einen indigenen Ureinwohner nennen muss.
Ein Schlag ins Kontor ist das schon.
In Japan tagen die G8-Staaten, und da hat eine kleine Gruppe vibrierender Weltverbesserer einfach mal beschlossen, einen «Gegengipfel» zu veranstalten. Dummerweise sitzen der naive Anti-AKW-Aktivist, die emotional übersteuerte Postfeministin und die coole Pharmagegnerin vor Ort aber nur dumm rum und machen sich gegenseitig das Leben schwer, das sie eigentlich verbessern wollen. Laura Fernández spielt leichthändig mit den menschlichen Unzulänglichkeiten der Generation Attac. Den Eingeborenen vor Ort braucht sie, um klar zu machen, dass Weltverbesserer sich einen Teufel um die Verhältnisse vor Ort scheren.
Der 34-jährigen argentinischen Autorin ...
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Schlendert man mal nicht nur schaufensterbummelnd, sondern auf der Suche nach dem «Theater der Stadt» über Münchens Edelboulevard Maximilianstraße, muss man schon genau hinschauen, um nicht an den beiden tunnelartigen Eingängen ins Foyer der Kammerspiele vorbeizugehen. In der neogotischen Fassadenherrlichkeit kommt das Theater nicht vor, und oft genug findet...
Zu Beginn seiner Bochumer Intendanz hat Anselm Weber das ehrwürdige Schauspielhaus mitsamt allen Nebenspielstätten über und unter Tage in eine «Weltexperimentiermaschine» verwandelt: Die schöne Wortschöpfung zielt auf Politisches und Ästhetisches gleichermaßen. «Lasst die Utopisten über eure Zukunft entscheiden», lautet einer der neuen Slogans, und die runde...
Man hat in Ivo van Hoves Molière-Inszenierung verdächtig viel Zeit, sich über die Requisite Gedanken zu machen. Zum Beispiel über das Party-Buffet, das die schicke Clique des It-Girls Célimène an einem Freitagabend auf ihrem Wohnzimmertisch auspackt. Ist es plausibel, dass diese gut gekleideten Yuppies, die ständig auf teuren Mobiltelefonen und Handrechnern online...
