Wie spielt man Suche?

Sven Lehmann war Fechter, Angler und Schauspieler. Auf der Bühne alles zusammen und noch viel mehr. Ein Nachruf

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Gut möglich, dass Sven Lehmann der tiefentspannteste Mephisto war, den man bis dato im Theater sehen konnte. Wie er dem viel größer gewachsenen Faust des Ingo Hülsmann mit nachgerade zärtlicher Seher-Geste in regelmäßigen Abständen den Kopf auf die Schulter legte, während der sich in akademischer Streber-Manier schweißtreibend neben ihm abhampelte, wird keiner, der die Inszenierung gesehen hat, vergessen.

Es lag eine große Kraft in diesem «Mephisto» – wie in allen Figuren, die Lehmann spielte: Nicht nur die Kraft einer vollständig besserwisserfreien Empathie, sondern auch die Kraft der Suche – eine Lust zu denken und mit den Dingen zu ringen, die selten geworden ist. Sven Lehmann wird schmerzlich fehlen. Am 3. April ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 47 Jahren gestorben.

Als wir uns vor neun Jahren zu einem Interview in der Kantine des Deutschen Theaters trafen, wo Lehmann seit 2001 Ensemblemitglied war, erzählte er beglückt von dem Vortragsmarathon, mit dem internationale Goethe-Koryphäen die Beteiligten für Michael Thalheimers «Faust»-Inszenierungen diskursfit gemacht hatten: «Das ging von früh um zehn bis abends um acht, es war wunderbar! Ein Plädoyer für den klugen ...

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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Nachruf, Seite 52
von Christine Wahl

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