Ketzer werden verbrannt
So möchte eigentlich niemand sein: Irgendwo im biographischen Niemandsland zwischen fünfzig und siebzig, tortengeil, demnächst Wasser in den Beinen. Die eine der beiden reifen Freundinnen war wahrscheinlich einmal verheiratet und hat daran als deutlichste Erinnerung behalten, wie sie ihrem Mann die Zehennägel schneidet. Die andere hat sich lebenslang abends ihre Schnittchen alleine zurecht gemacht, pflegt Briefwechsel mit lebenslänglich Verurteilten und träumt vor dem Einschlafen davon, sich mit ihnen «im Glück zu wälzen».
Ein erfülltes Leben sieht anders aus, und Pia und Helen sehen das ähnlich. Deshalb haben die beiden Unglücksfreundinnen auch beschlossen, ihre irdische Existenz zu beenden und die Welt «von sich zu erlösen».
Zwei mittlere Durchschnittsmenschen allein zu zweit, zwischen sich und der Ewigkeit nichts als ihr Rededrang – etwas Besseres kann Theresia Walser für ihre dramatische Sendung nicht passieren. Mit Handlung ist ihren Figuren nicht gedient, dazu würde es Entschlüsse brauchen, Anfang und Ende, Sinn oder wenigstens Zweck. Aber wo soll man dergleichen hernehmen, wenn der Alltag ein Einerlei ist und man schon genug zu tun hat, das verschwommene Grau wenigstens ...
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Mit Sicherheit hatte der Autor Spaß an dieser Arbeit. Der Mann, der dem deutschen Gegenwartstheater Heldennamen wie Faustersterteil oder Hänselundgretel geschenkt hat, tobt sich diesmal in der Moskauer Unterwelt aus und kreiert einen Don Sinatra, swingliebender Pate, Boris Besorgowitsch, seine rechte Hand, Silikona Silikonowitsch, die synthetisch aufgepeppte siebte...
In keiner Stadt ist der Sommer so anstrengend wie in New York, und in keiner ist er so schön. Auch der diesjährige bildete keine Ausnahme. Biblische Beton-Hitzewellen wurden regelmäßig von verschwenderisch lauen Abenden abgelöst, mit fest im Stadtbewusstsein verankerten Ritualen. Schulter an Schulter picknickte man beim Klassikerkino im Bryant Park, tanzte auf den...
In meinem persönlichen Exemplar des Buches «100 Jahre Deutsches Theater» – eine aufmerksame Pressereferentin hatte es mir zu meinem Amtsantritt als Theaterredakteur bei der «Berliner Zeitung» geschenkt, inzwischen arbeite ich selber am DT –, in dieser seltenen Ausgabe also gibt es einen nicht unoriginellen Farbbildteil. Rekonstruktion und Wiederaufbau des Deutschen...
