Uwe Wirth (Hg.): «Komik. Ein interdisziplinäres Handbuch», J. B. Metzler, Stuttgart, 415 Seiten, 69,95 Euro
Ein weites Feld
Nur zum Verständnis: Man darf von einem Kompendium namens «Komik. Ein interdisziplinäres Handbuch» nicht erwarten, selbst komisch zu sein. Aber auch für akademische Verhältnisse kommt der vom Gießener Literaturwissenschaftler Uwe Wirth herausgegebene Band recht trocken daher. Freilich ist es natürlich eine Frage der wissenschaftlichen Seriosität, zunächst über rund 60 Seiten die «Grundbegriffe des Komischen» abzuhandeln, von «Komik» über «Dummheit» bis «Sarkasmus», um darauf weitere 100 Seiten lang methodologische Strategien abzuhandeln.
Philosophie, Anthropologie, Medizin, Psychoanalyse, Linguistik – der Band zeigt, dass Komik ein weiträumig beackertes Feld ist, auch wenn das Komische historisch im Vergleich zum Tragischen immer auch den Ruf des Unseriösen hatte, in Nachbarschaft zu niederen Vergnügungen wie Jahrmarktsgrusel und Pornografie.
Anders gesagt: Die Genauigkeit, mit der Wirth und seine Mitstreiter hier arbeiten, mag ermüden, zumal gewisse Redundanzen sich angesichts des umfangreichen Vorhabens kaum vermeiden lassen. Gleichzeitig ist besagte Genauigkeit aber auch unerlässlich für ein Buch, das den unzähligen Theorien der Komik nicht einfach nur eine weitere hinzufügen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Bücher (12 17), Seite 55
von Falk Schreiber
Gründungsmythen sind Überlebenskitt. Zumal für eine Theaterfamilie, die jahrelang ein Stadtnomadendasein führt, die unermüdlich Nachkommen heranzieht, Nestflüchtlinge ziehen lässt, und deren Energie sich aus der jugendlichen Rebellion gegen alles Institutionelle speist. Der Gründungsmythos des Jungen Theaters Basel ist festgehalten auf einem Schwarzweißbild mit...
Lasset die Kindlein zu mir kommen! In der Pose des gütigen Vaters, der kleine Jungs und Mädels liebevoll in die Backen kneift, haben sich Diktatoren, wie kinderlos auch immer, stets gerne abbilden lassen. Von Wladimir Iljitsch Lenin sind solche Aufnahmen nicht überliefert, was schlicht daran liegen mag, dass die Zeit seiner Herrschaft zu kurz und zu unruhig war,...
Cornelia Fiedler Herr Akhanli, Sie sind frisch zurück in Deutschland, zwei Monate saßen Sie in Spanien fest, Grund war ein internationaler Haftbefehl der Türkei. Jetzt stehen Sie wieder in «Istanbul» von Nuran David Calis am Schauspiel Köln auf der Bühne (s. TH 7/17 S. 27f.). Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihrem Auftritt in der Stückentwicklung, in der Sie...
