Die Optionsbürger-Schlampe
Neuerdings sind Ibsens bürgerliche Damen ziemlich schnell mit der Knarre. Anne Tismers Nora hatte ihren Helmer vor drei Jahren an der Schaubühne so nachhaltig durchlöchert, dass er mit seinem letzten Satz im überschwappenden Aquarium landete. Susanne-Marie Wrages Hedda Gabler 2003 in Basel kugelte wie Halle Berry durchs Wohnzimmer, die Beretta nach halbem Überschlag filmreif im Anschlag.
Und Katharina Schüttler, ebenfalls Hedda jetzt in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung, zerlegt beim morgendlichen Schießtraining die Bodenvasen reihum, während die leeren Hülsen nur so aus der Halbautomatischen klackern. Hat sich die Russenmafia stilbildend in den gediegenen Quartieren eingenistet, oder sind bürgerliche Ehedramen mittlerweile zum infanteristischen Häuserkampf aufgerüstet?
Weder noch. Obwohl General Gablers gute alte Duellpistolen in der Tat ausgedient haben. Die einschüssigen Vorderlader sind handlichem Dauerfeuer gewichen, soviel zur technischen Seite des historischen Fortschritts. Auch die soziale Architektur sowie psychische Innenausstattung der Villenbewohner bleiben davon nicht unberührt. Die Folgen jeglichen Kalibers erweisen sich als reichlich durchschlagend.
Berl ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Schauspiel-Legende Mia Farrow und der renommierte Regisseur und Dramatiker James Lapine hätten vielleicht wissen müssen, dass sie mit «Fran’s Bed», der temporeichen und glanzvoll ironischen Inszenierung über eine Komapatientin, die schläfrige New Yorker Theaterwelt nicht aus ihrem eigenen Koma reißen würden. Klassisches in Protokollpflicht des Dramas erwarten...
Den Film von den Fesseln seiner jeweiligen Konventionen zu befreien, das gehört zur Geschichte dieser Kunst im Zusammenspiel mit technischen Neuerungen. Die Schritte zum Tonfilm und wenig später zum Farbfilm waren bahnbrechend. Nicht weniger die Computerisierung von Special Effects und nachfolgend ganzer Aufnahme- und Bildbearbeitungsverfahren seit Ende der...
Oft, wenn Tim Staffel einen bekannten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meisterwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte...
