Wien: Rettet die Wale
Es lohnt sich, vor Beginn der Aufführung die Synopsis im Programmheft zu lesen. Da erfährt man, dass das Stück im Jahr 3000 spielt, wenn ein großer Teil der Menschheit längst in Weltraumkolonien ausgewandert ist, während sich der auf der Erde verbliebene Rest mit knappen Ressourcen, geschmolzenen Polkappen und einem «neokommunistischen» System herumschlagen muss. Das Stück beginnt damit, dass der Held und Erzähler, der den individuellen Leistungsdruck im Orbit nicht mehr ertragen hat, auf die Erde zurückkehrt.
Er lässt sich willig als Straßenkehrer einschulen und trifft schließlich auf eine Widerstandsgruppe, deren Mitglieder sich selbst verstümmeln, um sich ihrer Identität zu versichern – was in dem streng konformistischen System, gegen das sie ankämpfen, nicht vorgesehen ist.
Im Stücktext selbst werden viele dieser Informationen nur skizzenhaft angedeutet. «Sommer» ist eine postdramatische Textfläche ohne Rollenzuschreibungen, eine Collage aus Stimmen, langen Monologen und kurzen Dialogstellen, hin und wieder von avantgardistischen Spielereien – verblassende Zeilen, seitenweise Zahlenreihen – unterbrochen. Der 1992 im Allgäu geborene Sean Keller, der auch Bühnenbildner und ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
Aachen, Grenzlandtheater
14. Vattrodt, Ein großer Aufbruch
R. Uwe Brandt
Annaberg-Buchholz, Theater
7. Lessing, Nathan der Weise
R. Dietrich Kunze
Basel, Theater
11. Lorca, Yerma
R. Mateja Koležnik
16. Projekt, Das Theater der Bilder (U)
R. Daniela Kranz (Eine Koproduktion mit dem Kunstmuseum Basel)
Bautzen, Theater
26. nach Aischylos, Die Orestie
R. Mario Holetzeck
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Putzt euch die Zähne – und hofft, dass ihr den Tag überlebt!», mit diese Appell entlässt Nikita Dhawan die rund 150 Teilnehmenden des zweiten Flausen-Bundeskongresses «The Politics of Art» in den Tag. Das hat man davon, wenn man die renommierte Professorin für Politische Theorie und Gender Studies nach der Rolle von Kunst und Moral in politisch desolaten Zeiten...
Wer Ueli Jaeggis Arthur, dem «Friseur aus Europa», tief ins Gesicht blickt, weiß alles über die westliche Zivilisation: ein stolzer Jüngling von Mitte Sechzig mit elastischen Augenringen und zarten Tränensäcken, der leichten Röte von Bluthochdruck im Antlitz und den gründlich verlebten Zügen, die Jahrzehnte im mittleren Genussmittel-Wohlstand mit sich bringen. Nur...
