Ökonomie des Zufalls
Der Titel des neuen Stücks von Jonas Hassen Khemiri ist ein kleines mathematisches Zeichen: ≈ [ungefähr gleich]. Damit wird das mittlere der drei großen, nach wie vor uneingelösten republikanischen Versprechen «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» in den Blick genommen. Es sind große Fragestellungen, die, wie der Autor selber sagt, «das Schreiben beeinflusst haben, im Stück aber keineswegs beantwortet werden».
Fragen wie: «Inwiefern verändern wir uns dadurch, dass wir in einer Gegenwart leben, die sich auf Kredit gründet? Was geschieht mit einer Welt, die auf Zahlen reduziert wird? Was verbirgt sich hinter den Zahlen?» Khemiri, Sohn einer schwedischen Mutter und eines tunesischen Vaters, ist studierter Ökonom. Die Erkenntnisse der Makro- und mehr noch der Mikroökonomie bricht er in «≈ [ungefähr gleich]» herunter auf den Einzelnen: Er versammelt in 26 Szenen eine Handvoll Personen am unteren Ende der Einkommensleiter, die durch Ökonomie und Zufall miteinander verbunden sind.
Bei Peter ist die Haushaltskasse ein Pappbecher. Er ist obdachlos, hat von allen die geringsten Ressourcen und bettelt sich sein Tageseinkommen in Form von Kleingeld zusammen. Er sagt, er brauche das Geld, ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 183
von Julia Lochte
Ein ideales Ensemble wäre wie die perfekte Ehe: Ohne Eitelkeiten und übertriebene Ansprüche, hingebungsvoll und mit Leidenschaft bei der Sache, loyal und fürsorglich, vertraut und freundschaftlich, bis dass der Tod sie scheidet. Es wäre ein Ensemble, das keine Drehtage einfordert oder Urlaubsscheine einreicht, das sich nicht über Doppelvorstellungen oder...
... zieht sich Wolfram Lotz’ Kolonialismus-Groteske «Die lächerliche Finsternis» durch die diesjährige Kritikerumfrage. Nicht nur waren sich mehr Kritiker als jemals zuvor, nämlich 27, einig, dass dies das deutschsprachige Stück des Jahres ist (zweitplatziert folgt mit 4 Stimmen Ewald Palmetshofers «die unverheirate»), 8 Kollegen machten auch Dusan David Parizeks...
«It’s not because I’m old
It’s not the life I led
I always liked it slow
That’s what my momma said»
Leonard Cohen
In Bremen höre ich das Nordwestradio, es ist neu aufgestellt, es war mal der Kultursender hier bei Radio Bremen. Jetzt soll er immer seichter und kommerzieller geworden sein, so sagt man hier in Bremen, ich finde das nicht, aber sie spielen immer noch...
