Im leuchtend schwarzen Frack
Ganz ehrlich, vor vier Jahren hätte ich nicht unbedingt darauf gewettet, dass der blauäugige Junge mit dem verstrubbelten Blondschopf, der da mit Charme und Chuzpe zum ersten Mal in einer Hauptrolle über die Bühne des Münchner Residenztheaters hechtete, schon bald als Ausnahmespieler von sich reden machen würde.
Gefeiert wurde er schon damals von seinem jugendlichen Publikum als tapferer Underdog im Familienstück «Pünktchen und Anton», aber man muss wohl den Röntgenblick eines Regisseurs besitzen, um erkennen zu können, wie viel Lust und Potenzial, sich über das gewohnte Maß hinwegzusetzen, in einem sympathischen Kindskopf stecken.
Hassliebeserklärung an den Kulturbetrieb
Mittlerweile hat Franz Pätzold einige Extremeinsätze hinter sich gebracht und dabei ganz andere Seiten von sich zum Vorschein kommen lassen. Trotzdem zählt er Thomas Birkmeirs Kästner-Inszenierung noch immer zu den wichtigen Arbeiten in seiner jungen Laufbahn, weil er da zum ersten Mal so richtig Verantwortung übernehmen konnte – «ob für Kinder oder Erwachsene, das ist ja egal. Wichtig sind für mich Produktionen, wo ich selber das Gefühl habe zu wachsen, mir die Zähne auszubeißen». Von denen gab es in den ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Akteure, Seite 52
von Patricia Benecke
Ein schmaler Junge eilt entschlossen einer ungewissen Zukunft entgegen. Sein Ziel liegt in Finsternis, unerreichbar womöglich, aber was stört das einen, der die Lederjacke so offen und die Mundwinkel so rebellisch verschlossen trägt. Dass er seinem Gestus der Siebenmeilen-Slowmotion zum Trotz auf der Großen Bühne des Theaters Basel praktisch auf der Stelle...
Die letzte Berliner Premiere vor der Sommerpause war ein öffentliches Briefduell. Eröffnet von Mitarbeitern der Berliner Volksbühne, die einmal mehr ihrem Misstrauen gegenüber Castorf-Nachfolger Chris Dercon mit schwankhaften Falschmeldungen Ausdruck gaben, gekontert von Dercons illustren Museumskollegen mit einer englischsprachigen Epistel, die klang wie von...
Der ungarische Musiktheaterregisseur David Marton steht für eine musikalisch unverkrampfte Herangehensweise an das immer noch weitgehend sakrosankte Heiligtum bürgerlicher Hochkultur. Oper nicht durch Bebilderung zu interpretieren, sondern aus der Partitur heraus in Kombination mit den speziellen musikalischen Fähigkeiten der jeweiligen Mitwirkenden neu...
