Bachmanns Rache
Verachtung ist leicht, Verständnis ist schwer. Und Gefühl ist gefährlich. Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» sind in den letzten Jahren zum Übungsfeld für Figurenverachtung und Emotionszersetzung geworden. Stefan Bachmanns Kölner Inszenierung setzt diese Entwicklung fort und dreht die Schraube noch etwas weiter in diese Richtung.
Nichts ist neu: Die riesige Drehscheibe, die den leeren Raum nicht füllt, sondern mit Hoffnungslosigkeit grundiert (Bühne: Olaf Altmann), ist nur flacher als in Stephan Kimmigs Münchner Inszenierung, die Auftritte der Figuren aus dem Hintergrund an die Rampe wie auf einem Laufsteg sind nur weiter ins Groteske verzogen als bei Michael Thalheimer in Berlin.
Weil Horváths Dekonstruktion des autonomen Individuums so alltagsnah, milieugetreu und scheinsentimental daherkommt, muss erst mal Klarheit geschaffen werden: Bachmann setzt auf ein Höchstmaß an Abstraktion. Kein Requisit, kein Strauß-Walzer, nur zur Betrachtung ausgestellte Menschen, aus denen Sprache quillt. Sprache nicht als Ausdruck des bewussten Seins, sondern als Zeichen des Sich-seiner-selbst-nicht-bewusst-Seins. Die optische Reduktion führt zur Konzentration auf die Sprache.
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Gerhard Preußen
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