Die Klarheit des Blicks
Juni 2010, «Der nackte Wahnsinn» von Michael Frayn, Premiere. Zweiter Akt, das Publikum sitzt auf der Bühne und blickt – immer dann, wenn die Türen in diesem Türenstück sich öffnen – von hinten durch die Bühne auf der Bühne in den leeren Zuschauerraum. Da sitzt ganz allein, als einzige Zuschauerin des Stücks im Stück, die Intendantin und Regisseurin des Abends. Die Schauspieler sollen nicht das Gefühl haben, es sähe ihnen niemand zu, wenn sie zum Zuschauerraum hin, also da, wo eigentlich leere Reihen klaffen, die «Nackten Tatsachen» spielen.
Vielleicht sollte man den Symbolwert dieses Bildes nicht überbewerten. Aber vermutlich hat es sich nicht zufällig eingeprägt. Amélie Niermeyer als die treueste und ausdauerndste Zuschauerin ihres eigenen Theaters, eine fürsorgliche Behüterin ihres Ensembles – und manchmal ein wenig einsam und verloren in der Weite des Parketts. 1200 Zuschauer haben damals, vor der Renovierung, noch hineingepasst ins Große Haus. So ein Raum ist schwer zu füllen, und noch schwerer ist es, das Publikum in diesem Saal, den man sich auch als Forum für einen Parteitag vorstellen könnte, anders zu begeistern als mit einem krachenden Spektakel. Was allerdings nicht nur ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Bilanzen, Seite 66
von Martin Krumbholz
Wahrscheinlich geht es nur noch als Popsong: Wenn Lena Schwarz in den Bochumer Kammerspielen zur Jungfrau von Orléans anhebt, der Liebe und dem gesunden Landleben entsagt, um als eiserne Jungfrau mit höherer Botschaft Frankreich zu retten, dann steht sie links vorne an der Rampe, spricht und schnauft in ein Mikro, mischt sich selbst mit Echoschleife in einen...
Auf die Frage, ob er in Heidelberg länger als in Tübingen verweilen würde, meinte Peter Spuhler zu Beginn seiner Intendanz, das sei er schließlich seinem guten Ruf schuldig. Denn in Tübingen, der Station zuvor, war er nur drei Jahre geblieben. In Heidelberg sind es sechs Jahre geworden, und Spuhler muss nicht fürchten, als flatterhaft zu gelten, obwohl er weiterhin...
Und wenn ich einmal traurig bin,
dann trink ich einen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann trink ich noch nen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann fang ich an von vorn!»
Dies ist ein Lied, das alle Freunde von Norbert Schwientek kennen. Dieses und wo er es sang, stimmten alle, die mit ihm am Tisch saßen, ein. Nicht unisono, auch nicht dem Wohlklang...
