Die Rache des Gebrauchtanzugträgers

Der Komiker Kurt Krömer steht für alles, was man an Berlin lieben oder hassen kann. Von Neukölln hat er es bis an den Kurfürstendamm geschafft

Theater heute - Logo

Vor einigen Jahren saßen zwei bis dato dem breiteren Publikum weitgehend unbekannte Herren in einem Fernsehstudio des Regionalsenders RBB. Der eine, im entspannten Leck-Mich-Styling mit zerknittertem Hemd und sackförmiger Jeans, war gerade Intendant am Berliner Hebbeltheater geworden, Matthias Lilien­thal.

Dem anderen sah man die vor vielen Jahren abgebrochene Lehre bei einem Herrenausstatter an: Sein Anzug schien aus einem größeren Restposten zu stammen, den das Kaufhaus Karstadt am Hermannplatz irgendwann in den frühen Achtzigern auf seinen Wühltischen entsorgt haben dürfte (Krömer: «Modell rumänischer Nutten-Preller»). Der Mann nannte sich Kurt Krömer und war, genau wie Lilienthal, gerade dabei, Karriere zu machen. Krömer hatte sich als Standup-Komiker von Kleinkunstbühnen («Das war elendes Spielen vor vier Leuten») in die TV-Studios vor­gerobbt. Jetzt hatte er zum ersten Mal seine eigene Show, und man konnte sich nie ganz sicher sein, ob sie nicht eher das Ende als den Anfang seiner Fernsehlaufbahn bedeuten würde, und das nicht nur, weil er mit einem notorisch muffligen, dem Publikum an den Endgeräten garantiert völlig unbekannten Gast wie Lilienthal sorgfältig alle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2007
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Peter Laudenbach

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unser aller Wolfen

MAN KANN EINEM MENSCHEN NICHT VON MORGENS BIS ABENDS SAGEN WIE ENTTÄUSCHT MAN VON IHM IST DAS HÄLT KEINER AUS.» Das gilt für Menschen wie für ganze Landstriche, den östlichen Teil Deutschlands zumal. Wo dauernd von Scheitern die Rede ist, wird das Ringen um Würde und Selbstbehauptung zur Existenzfrage. Fritz Kater, seit geraumer Zeit der erste Chronist des...

Traumaturgen-Dämmerung

Ein klares Wort zu Beginn: «Das deutsche Theater ist das beste Theater der Welt», sagte Tom Stromberg und meinte es nicht ironisch. Der ehemalige Intendant des Frankfurter TAT und des Hamburger Schauspielhauses, der aktuell das «Impulse»-Festival in Nordrhein-Westfalen leitet, traf damit zwar nicht den Nerv der Sache, aber durchaus einen wunden Punkt. Vier Tage...

Zu Tode gepflegt

Wenn das kein Thema für eine sozialkritische Komödie mit Potenzial für bitterböse Pointen ist: Pflegenotstand in Westeuropa und Personal aus dem wilden Osten, das die Lücken füllt. Da könnten Interessen aufeinanderprallen, Kulturen clashen und die Fetzen fliegen. Und so viel muss man Cesare Lievi lassen: Er hat einen aktuellen Brennpunkt gefunden, der auf dem...