Grenzen überschreiten
Im strahlenden Sonnenschein eilt Katie Mitchell zum Treffpunkt National Theatre Bühneneingang. Etwas zu spät wegen dringender Bankgeschäfte – das Wort Island fällt –, etwas in Eile, weil sie in ein paar Stunden der Presse ihr frischgeschriebenes Buch «The Director’s Craft» vorstellen wird. In ihrem Rucksack schwere Wälzer anderer Natur: Sie recherchiere gerade zwei Projekte gleichzeitig, entschuldigt sie sich, eine Oper und Franz Xaver Kroetz’ «Wunschkonzert», ihre erste Produktion auf deutschem Boden, am Schauspiel Köln.
Katie Mitchell ist Associate Director am National Theatre. Zu höheren Weihen kann man im englischen Theater kaum aufsteigen. Ihre Vorbilder, sagt Mitchell, seien allerdings samt und sonders kontinentaleuropäisch. Tatsächlich sind ihre Arbeiten gewöhnlich dezidierter konzeptioniert und bilderstärker inszeniert als die meisten ihrer Kollegen im britischen Mainstream. Was auch damit zu tun haben könnte, dass Mitchell über Ambitionen im Bereich Bildende Kunst zum Theater kam. Mit 16 hielt sie ihre Aussichten, Damien Hirst Paroli zu bieten, für trübe und fing stattdessen an, mit Menschen auf der Bühne Bilder zu entwickeln. Sie war schon in Manchester für Theater ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie viel Handke passt in 100 Minuten Theater? Reichlich. Auch wenn Michael Simons Version des «Spiels vom Fragen» nur etwa ein Drittel der Zeit beansprucht, die sich Claus Peymanns Uraufführung 1990 nahm, erhalten Simon und Dramaturg Tilmann Neufer das Wesentliche. Denn sie nehmen den Titel angenehm wörtlich und entwickeln aus dem als überfrachtet, verstiegen und...
Siebzig Minuten dauert die Aufführung: Die sieben Szenen Arthur Schnitzlers, die 1889/90 entstanden und in denen der Wiener Bourgeois und Lebemann Anatol jeweils eine andere Frau begehrt, verabschiedet, verliert, hat der Regisseur Luk Perceval zu einem einzigen Akt zusammengezogen. Er hat die Dialoge radikal zusammengekürzt und dabei alles spezifisch...
Wenn die grell leuchtenden Kreuze gleich am Anfang in den Schnürboden hinaufgezogen werden, heißt das nicht, dass fortan das rationale Denken auf der Bühne walten wird. Im Gegenteil. Die Zeichen der Kirche sind zwar verschwunden, aber in den Köpfen der Menschen bleiben (Aber-)Glaube und Bigotterie eingebrannt.
Andrea Maria Schenkels Erfolgsroman «Tannöd» ist sicher...
