Konferenz
So sieht der Neuanfang wohl eher selten aus – der Neue wird zunächst mal aufs Kreuz gelegt, nach allen Regeln der Kampf-Kunst. Klaus Figge, dieser letzte Mohikaner in allen Techniken und Tricks des virtuellen und wirklichen «Kämpfens» auf der Bühne, hat Harald Wolff, den gerade frisch gekürten neuen Vorsitzenden der Dramaturgischen Gesellschaft, mit festem Griff bei der Hand gepackt und auf die Bühnenbretter geschickt. So handfest begann die Abschluss-«Demonstration», mit der die Jahreskonferenz der Vereinigung auf der Ballhof-Bühne vom Schauspiel Hannover zu Ende ging.
Entspannter und amüsanter geht’s kaum. Schmerzhafter auch nicht.
Denn die angestellten Grüblerinnen und Grübler im Theaterbetrieb machten auf diese Weise eine Erfahrung, die sonst eher den Mitgliedern eines Ensembles vorbehalten bleibt: Was für erstaunlich alberne Positionen der eigene untrainierte Körper einnehmen kann auf der Bühne. Sinnigerweise hatte Figges furioses Finale auch noch sehr direkt mit dem Thema der Tagung zu tun: «Körper. Repräsentation. Interaktion. Differenz.» Denn tatsächlich hat die Grundausbildung durch den Kampftrainer auch von der Vorzeigbarkeit (der Repräsentation), der Interaktion (jeder ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Michael Laages
Es war einmal in Bamberg. Da regierte ein Intendant sage und schreibe ein Vierteljahrhundert in einem Stadttheater. Ununterbrochen. Unangefochten. Als dieser Rainer Lewandowski 2015 dann tatsächlich aufhörte, wollte niemand so recht daran glauben. Man hatte sich in dem fränkischen, kulturerblich schwer und wunderschön belasteten Städtchen mit seiner einzigartigen...
Die am 6. Februar im Alter von 93 Jahren verstorbene Inge Keller hielten viele Theaterleute für eine «Schwierige»; zudem galt sie als «Staatskünstlerin» der DDR und als Aristokratin. Sie war aber nur eine Berlinerin aus gutem Hause, die 1950, nach Anfängerjahren noch während des Krieges im Theater am Kurfürstendamm, in Freiberg und Chemnitz, ab 1945 wieder in...
Einmal wird es an diesem Abend richtig komisch: Da schiebt sich Kay Bartholomäus Schulze als Bruder des eingebildeten Kranken in den klinikweiß gekachelten Bilderrahmen, den Bühnenbildner Olaf Altmann zentral über den Schaubühnenbrettern schweben lässt. Ein Embryo von einem Mann ist das, glatzköpfig, gesichtslos, ein Arm unter der mumienhaften Ganzkörperverklebung...
