Das Wir kehrt wieder
Ein Mann in bequemen Alltagsklamotten liegt, an die Wand des White Cubes gedrückt, auf dem Boden. An der gegenüberliegenden Wand beugt sich ein Tänzer nach unten, berührt mit gestrecktem Arm den Boden und streckt zugleich den anderen Arm nach oben, als wollte er die Spannweite seiner Arme messen. Eine Frau singt an der Rückwand des Raumes, und vorn erzählt gerade ein anderer Tänzer einer kleinen Gruppe von Leuten eine Geschichte, die er von Zeit zu Zeit mit kleinen Demonstrationen unterbricht.
Im Raum verlieren sich ein paar Betrachter, laufen, stehen, sitzen auf dem Boden oder an der Wand: Es dauert eine kleine Weile, bis plötzlich jemand bemerkt hat, dass ich eingetreten bin. Der junge Mann, der die Wand mit seinen Armen auszumessen schien, kommt näher und erklärt mir in verschwörerischem Ton, als verrate er dabei ein Geheimnis: «Wir müssen jemanden begrüßen!» Die drei gerade noch an den Wänden postierten Performer intonieren den Sound einer Sirene und laufen zügig in verschiedene Richtungen aus dem Raum. Sie kehren auf Händen und Füßen, den Gang von Wildtieren nachahmend, in den Saal zurück, stellen sich um den zu begrüßenden Neuling auf und sagen in deutscher und englischer ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Theorie, Seite 36
von Nikolaus Müller-Schöll
Das Gespräch im kleinen Cafe Koha um die Ecke vom Leicester Square schiebt Crimp zwischen zwei Probenbesuche in Hamburg. «Karriere-Management», zuckt der Autor ergeben lächelnd die Schultern, «aber ich bin gern bei Proben dabei, und zwischendurch habe ich immer noch Zeit für den Schreibtisch.» Seit über zwanzig Jahren gehört Crimp zum britischen...
Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschienen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell...
«Da wo die Bücher herkommen, da denken alle.» Desto mehr ist es für die Protagonisten in Herta Müllers «Herztier» notwendig, die wenigen, die sie noch haben, möglichst sicher zu verstecken. Denn der Ungeist der Diktatur greift längst um sich. Freies Gedankengut muss im Verborgenen bleiben.
Mit ihrer Erfahrung aus dem Ceaucescu-Regime schuf die 1953 in Rumänien...
