Tragt endlich wieder Kittel!
Die große Peer-Gynt-Sause kurz vor den Sommerferien bot eine gute Gelegenheit, mal wieder über den gigantischen Schrebergarten namens Berliner Freie Szene nachzudenken.
Ist er in seiner enormen Größe (250 bis 300 kontinuierlich produzierende Gruppen) und Vielfalt (von der robusten Nutzpflanze über die neugezüchtete Rose bis hin zum düngenden Mist) nicht längst wert, selbst Gegenstand eines Kunstwerks zu werden? Das dürfte sich auch die Theatermacherin Susanne Truckenbrodt gefragt haben, als sie 13 mehr oder minder frei schaffende Berliner Regisseure, Regieteams und Choreografen bat, in den Sophiensaelen eine oder mehrere Szenen aus Ibsens «Peer Gynt» zu inszenieren.
13 Regisseure, 35 Folgen
Dabei sollte nicht nur die prächtige Kirsche, sondern auch die gemeine Runkelrübe gewürdigt, also «diese Einteilung in Stadttheater und freies Theater, populäres Theater und unattraktives, gewesenes Theater und modernes und altes Theater und was es noch für schreckliche Klassifizierungen gibt» «ganz trotzig» ignoriert werden. Und so durften nicht nur die Szene-Promis Pollesch und Macras ans Werk, sondern auch im Moment weniger angesagte Ost-Künstler wie Jo Fabian, Annett Kruschke und das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annette Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als geradezu zeitgeistiges psychologisches Familiendrama gelesen, als Saga um Maximilian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in...
Was ist das für ein Venedig hier in Bremen? Antisemitische Karikaturen prangen kreideweiß auf der aschfahlen Bühnenrückwand. Der Raum (von Heinz Hauser) ist leer bis auf ein paar gelbe Papierbahnen, die später in Pogromhatzen zerfetzt werden. Auf Stühlen zu beiden Seiten sitzt die Finanzwelt der Lagunenstadt: die Juden in bedrückendem Schwarz; die Venezianer...
Formbewusst in der Arbeit, analytisch scharf im Denken – das sind so Markenzeichen der Regisseurin Thirza Bruncken. Hartnäckiges Pusseln in den Unterschichten des Textes, Insistieren auf der pointierten Gestalt. Hier in Weimar, konfrontiert mit dem betulichen Familienschwank des gerade zwanzigjährigen Goethe, muss ihr die Entschlossenheit zur strengen Form...
