In Kleiderordnung
Einer Frau, die so ein Blümchenkleid schon während der Ouvertüre tragen muss, bleibt nichts anderes als der Selbstmord. Kein Drama muss das noch näher erklären. Keine Janácek-Musik, keine verbotene Liebe und keine gesellschaftliche Repression, ja nicht einmal eine böse Schwiegermutter. Man kann sich nun streiten, ob die Kostümbildnerin ein gutes Händchen hatte, indem sie Elend, ein hoffentlich historisches weibliches Rollenelend, so auf den Punkt gebracht hat.
Oder ob sie – und zu dieser Deutung lädt Michael Thalheimers Inszenierung durchaus ein – allen Ernstes mit diesen Blümchen die oft erwähnte Lebendigkeit der Katja Kabanowa symbolisieren wollte, die Lebendigkeit, von der sie im ersten Akt des Stückes fürchtet, dass sie ihr im Muff ihrer Ehe und im Knast der von der Schwiegermutter beherrschten Familie für immer abhanden kommen könne. Die sie dann gegen religiöse Überzeugung und fromme Gelöbnisse nach dem Strohhalm eines Abenteuers greifen lässt. Die Lebendigkeit schließlich, die im letzten Akt – weil Religion, Gesetze und Liebe, Freiheit, ja der auch nicht verschwiegene Traum vom Fliegen nicht zusammengehen – nur durch entschlossene Negation als Prinzip gerettet werden kann. ...
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Das für ein Einsatz: Er hat sich an die Wand geworfen, immer wieder, bis er endlich niedergesunken ist. Käfergleich hat er sich dort am Boden um die eigene Achse gedreht und mit den Füßen gegen die Wand getreten, als wollte er, der Schwerkraft trotzend, bis zur Decke hochspazieren. Hat ein armseliges Tannenbäumchen umarmt, hat dem Chauffeur über die Stoppelhaare...
Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an...
Preise/Auszeichnungen
Ulrich Matthes erhält für seinen George in Jürgen Goschs Berliner «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?»-Inszenierung den Gertrud-Eysoldt-Preis der Bensheimer Ringelband-Stiftung in Höhe von 10.000 Euro. Den Nachwuchs-Regiepreis (5000 Euro) teilen sich Shirin Khodadadian und Daniela Kranz. / Gerhard Stadelmaier, Theaterkritiker der FAZ, erhält...
