Privilegien zum Abschuss
Die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger hat einmal bei einem Auftritt in Paderborn unter dem Titel «Männer haben mehr Humor als Frauen» eine wissenschaftliche Studie zitiert, derzufolge 95 Prozent der befragten Männer und Frauen Humor für die wichtigste Eigenschaft in einer Partnerschaft halten. Wobei beide Geschlechter – und das ist das eigentlich interessante Ergebnis dieser «Studie» – angeblich unter Humor etwas Unterschiedliches verstehen: Frauen wünschten sich nämlich Männer, die sie zum Lachen bringen. Und Männer wünschten sich Frauen, die über ihre Witze lachen.
– «Kleiner Icebreaker», würde ich jetzt noch hinzufügen, wenn ich eine Figur von Nora Abdel-Maksoud wäre – und das wäre umso lustiger, wenn sie gerade nicht gelacht hätten.
Nora Abdel-Maksoud gehört zu den Künstlerinnen, die Hazel Bruggers (natürlich ohnehin ironisch lancierte) Behauptung von der männlichen Überlegenheit in Sachen Witz gründlich widerlegen, und die wissen, dass mit dem Talent zum Humor Verantwortung einhergeht. Als gebürtige Münchnerin mit Schauspieldiplom von der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf war sie zuerst an Shermin Langhoffs Berliner Ballhaus Naunynstraße in der ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Das Stück, Seite 52
von Eva Behrendt
11. März 2004: In Madrid ist es 7.39 Uhr, als die erste Bombe hochgeht. Neun weitere Detonationen folgen: in vier Vorortzügen, in denen dicht gedrängt Pendler zur Arbeit, Kinder zur Schule und Studierende zur Uni fahren. 191 Menschenleben forderte das Attentat. Noch Jahre danach wird ein Vater immer wieder die Bahnstrecke abfahren, in der Hoffnung, seine Tochter...
Fast jedes «man» in diesem Text könnte wahrscheinlich ein «Mann» sein. Denn auch wenn hier eine Frau schreibt, ist diese Theaterwelt immer noch eine oft sehr männliche Welt – und nicht nur die. Dessen sind sich Stefan Pucher und die Volksbühne sehr bewusst, wie schon an Ankündigung und Programmheft für die Inszenierung von Wedekinds «Lulu» zu erkennen ist....
Klingt entschieden endzeitlich, was sich Christoph Marthaler als Neuproduktion für die Ruhrtriennale vorgenommen hat: «Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend». Die Musik dazu «erklingt in einem imaginären Parlament, in dem Abgeordnete dokumentierte Reden aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der Gegenwart und der nahen Zukunft halten, die katastrophale...
